"Fünf Jahre für eine Woche" - so titelt Claus Biegert seinen einführenden Beitrag über die Vorgeschichte des "World Uranium Hearings", das September 1992 in Salzburg stattfand. Eine Woche lang berichteten Betroffene aus allen Erdteilen über die Folgen von Uranabbau, Atombombentests und Nuklearindustrie sowie von ihrem Widerstand. Nach einer englischsprachigen Dokumentation aller Zeugenaussagen (s. PZ 2/93) erschien nun eine gekürzte und bearbeitete Fassung in deutscher Sprache. Das Buch bestätigt einmal mehr, daß das "World Uranium Hearing" einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Atomwiderstandes darstellt und daß die langen, mühsamen Vorbereitungen - die Zeugen, meist Angehörige indigener Völker, kamen aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde - sich gelohnt haben. Dokumentiert werden nicht nur die gesundheitlichen Schädigungen, denen die Anrainer von Uranminen, Atomkraftwerken und militärischen Atomversuchsgeländen ausgesetzt sind, sondern auch die Formen der Repression und Beschwichtigung durch Behörden und Atomfirmen (etwa durch Behinderung autonomer Untersuchungen) sowie Beispiele erfolgreichen Widerstandes (etwa den Betroffenen Recht zusprechende Gerichtsurteile). Den Zeugenberichten vorangestellt sind die beim "Hearing" gehaltenen Fachreferate, die zum einen die Befürchtungen und Anklagen der Opfer durch wissenschaftliche Untersuchungen bestärken, zum anderen aber auch Wege aus der Sackgasse des "Nuklearismus" weisen. Abgeschlossen wird der sehr leserfreundlich gestaltete Band mit dem beim "Hearing" verabschiedeten Schlußkommunique sowie einem Gespräch zwischen Robert Jungk und seinem Freund Joseph Weizenbaum zur Frage "Menschheit am Endpunkt - Menschheit am Wendepunkt?" Eine klare Antwort fiel beiden schwer - daß das Engagement einzelner, wenn sie zueinanderfinden, noch immer Sinn macht, hat nicht zuletzt dieses "World Uranium Hearing" bewiesen.  Die Zeugenaussagen sowie die Kontaktadressen der beim "Hearing" Versammelten sind auch als Diskette verfügbar. Diese ist - wie ein bereits vor der Veranstaltung hergestelltes Video - zu beziehen über: W U. H. e. V, Schwanthalerstraße 88, 0-80336 München, Tel.+49-89-532 687. H. H.

Der Tod, der aus der Erde kommt. Zeugnisse nuklearer Zerstörung - Ureinwohner der Erde beim World Uranium Hearing. Hrsg. v. Claus Biegert ... Salzburg: Pustet, 1993. 164 S. (edition solidarisch leben) DM 39,80 / sFr 33,70/ öS 310,40