Rezession und steigende Arbeitslosigkeit in den Industrieländern beleben die Diskussion über neue (und alte) Antworten aus Wirtschaftspolitik und ökonomischen Schulen, die der Krise Einhalt gebieten sollen. Dualismen wie Regulierung contra Liberalisierung, mehr Staat contra mehr Markt greifen dabei meistens zu kurz. Der Band beschreibt aktuelle Trends wie Rationalisierung, Tertiärisierung, Arbeitsauslagerungen in Billiglohnländer, grenzüberschreitende Arbeitsmigration sowie die zunehmende Spaltung der Arbeitsmärkte, die insbesondere im Dienstleistungsbereich mit der Zunahme kurzfristiger und "geringfügiger" Beschäftigungsverhältnisse zu "Informatisierung" (Altvater) und Deregulierung führt; gewarnt wird vor einer Ent-Zivilisierung der demokratischen und politischen Kultur und einem "postindustriellen Neufeudalismus" (Zinn), falls der neokonservative Rückzug des Staates aus der sozialen Verantwortung für Vollbeschäftigung und Verteilungsgerechtigkeit fortdauert; zudem werden alternative Antworten auf Arbeitslosigkeit und die gegenwärtige ökonomische Krise erörtert. Neben herkömmlichen neokeneysianischen Konzepten der Nachfragesteigerung bzw. -stabilisierung und einem "Antikrisenprogramm" der Schweizer Gewerkschaften werden Modelle der Arbeitszeitverkürzung ("kleine" und "große" Umverteilung am Beispiel der Schweiz) sowie Perspektiven einer Neudefinition von Arbeit, die "kommunitäre Projekte", "soziale Produktivität" und" Eigenarbeit" forcieren, diskutiert. Andre Gorz spricht vom" Verfall der Arbeitsgesellschaft"; im Sinne eines "postökonomischen Zeitalters" plädiert er für Gesellschaftsutopien, die kooperative Tätigkeiten und den Gemeinschaftssinn wiederbeleben. Aufschlußreich bezüglich der männlichen Definitionsmacht von „Erwerbsarbeit" ist der Beitrag der Soziologin Christel Eckert, die in der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses eine Chance zur politischen Neuregelung der "sozialen Zeit" im Sinne einer gleichberechtigten Aufteilung von Erwerbs- und Hausarbeit   zwischen den Gechlechtern sieht. Bestärkt wird sie in der Möglichkeit von Frauen, das patriarchale Modell Alleinverdiener mit Ernährerlohn zu durchbrechen, durch einen Beitrag der Ökonomin lrene Meier. Themenbezogene Buchbesprechungen und weiterführende Literaturhinweise schließen den die überfällige Diskussion über die Zukunft der Arbeit(sgesellschaft} in mehrfacher Hinsicht bereichernden Band ab. H. H.

Arbeitslosigkeit - wirtschaftspolitische Alternativen. Zürich: Eigen-Verl., 1993. 208 S. (Widerspruch. Beiträge zur sozialistischen Politik; 25) DM 21,20 / sFr 18,- / öS 165,60