Der bekannte Wissenschaftspublizist und Erfolgsautor Carl Sagan macht sich auf eine spannende Reise durch den Kosmos, um auf überaus anregende Weise den Lesern seine visionären Entwürfe einer fernen Zukunft der Weltraumbesiedlung durch den Menschen und seine Warnungen vor einem unbesorgten Ausschöpfen aller technischen Möglichkeiten näherzubringen. Zunächst erwartet den Leser eine interessante Reise durch unser Sonnensystem und ein aktueller Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung. Der aufwendig gestaltete Band beeindruckt auch durch die Bilder und Fotomontagen, die die Materie zusätzlich veranschaulichen. Ausgehend vom Bild der Erde, aufgenommen von Apollo 17, wird deutlich, daß unser nationalistischer Eifer an Bedeutung verliert, und diesbezüglich spart Sagan auch nicht mit eindringlichen Worten: "Im Maßstab von ganzen Welten - nicht zu reden von Sternen oder Galaxien - sind Menschen völlig unbedeutend, eine dünne Schicht Leben auf einem dunklen und einsamen Klumpen aus Stein und Metall .... Die Erde ist eine kleine Bühne im großen Theater des Kosmos .... 99,998 Prozent der Geschichte des Universums waren bereits vergangen, als unsere Spezies auf der Bildfläche erschien". Sagan mahnt immer wieder mit erhobenem Zeigefinger, verdeutlicht Zusammenhänge von Raumfahrt und ideologischer Konfrontation am Beispiel der Apollo-Mission, die uns aber auf besondere Weise erstmals ein Bild vom verwundbaren Planeten zeigte: "Was als tödlicher Wettlauf begann, half uns sehen, daß weltweite Zusammenarbeit für unser Überleben notwendig ist." Dem Rezensenten scheint, daß diese Option zuweilen im All zumindest unter den Großmächten leichter möglich ist als auf der Erde. Der Autor sieht in einer internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Planeten- und Weltraumforschung sogar eine "heilende und einende Kraft für die Weltpolitik", wovon auf Erden allerdings wenig zu sehen ist. Sagan plädiert aber auch dafür, alle zu Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten in erster Linie zur Erhaltung des Heimatplaneten einzusetzen, da nach unserem Kenntnisstand der "Blaue Punkt im All" als einziger menschliches Leben ermöglicht. A. A.

Sagan, Carl: Blauer Punkt im All. Unsere Zukunft im Kosmos. München: Droemer Knaur, 1996. 440 S.