Der Autor geht davon aus, dass die ökologische Problematik nur dann in den Griff zu bekommen ist, wenn sie mit dem angemessenen Augenmaß für politische Realitäten und ökonomische Zwänge analysiert wird«. Es. geht darum, dem Fortschritt eine wünschenswerte Richtung zu geben, anstatt ihn pauschal abzulehnen. Eine Auseinandersetzung mit der ökologischen Problematik der Dritten Welt ist in Anbetracht der grenzüberschreitenden Qualität vieler Umwelt- und Ressourcenprobleme und den internationalen Verflechtungen dringend notwendig. Die Industrienationen sind davon aber nicht nur passiv, sondern auch aktiv betroffen, da sie als Mitverursacher erheblich zur Krise beitragen. Wöhlcke beklagt, dass die ökologische Problematik noch nirgendwo ein zentraler Bestandteil der Gesamtpolitik geworden ist. Am Beispiel der Vernichtung großräumiger Biotop~ (Überweidung, toxische Überbelastung, Verbauung, Abholzung des tropischen Regenwaldes, Holzverbrauch) und der Vernichtung landwirtschaftlicher Nutzflächen durch Chemikalieneinsatz (Verwüstung) analysiert der Autor sowohl globale als auch regionale Ursachen sowie deren soziale und politische Konsequenzen (Entwicklungshemmnisse und politischer Zündstoff). Für ihn ist die Idee der »nachholenden Entwicklung« ökonomisch und in absehbarer Zeit auch aus ökologischen Gründen illusorisch, zumal vorbeugende Schadensbegrenzung ohnehin billiger ist als Schadensbeseitigung. Realistisch erscheint ihm die Hoffnung auf begrenzte Erfolge technokratischer Einzelmaßnahmen, »ohne dass gleichzeitig die grundlegende Dynamik des vorherrschenden Zivilisationsmodells geändert wird«, Die dringlichste Maßnahme ist für Wöhlcke die Geburtenkontrolle. Mehr als fragwürdig wird er dann, wenn er Aids - dessen Ursachen in Vermassung, weltweiter Mobilität und sexueller Freizügigkeit gesehen werden - als Korrektiv der Überbevölkerung ansieht. Die Orientierung der Gesetzgebung an der gesellschaftlichen Utopie des »Ecodevelopment« und eine politische Kontrolle der Raumnutzung werden auf regionaler Ebene empfohlen. International setzt der Autor auf globale Umweltschutzprogramme sowie eine ökologisch motivierte Zurückhaltung an Kapital und hochentwickelter Technologie.   Wöhlcke spricht zwar die Wichtigkeit von bewusstseinsändernden Programmen an, wie diese auszusehen hätten, bleibt jedoch offen. Wie soll ökologisches Bewusstsein wachgerufen werden, wenn in den Köpfen das einzig erstrebenswerte Ziel die Nachahmung des wohlhabenden Westens ist? Auch ist von der von ihm favorisierten Geburtenkontrolle, wie bisherige Erfahrungen zeigen, global nicht viel zu erwarten. Es gibt aber bereits einige hoffnungsvolle Entwicklungsprojekte, bei denen Sparen, Schonen, Entlasten und Verhüten praktiziert werden.

Wöhlcke, Manfred: Umweltzerstörung in der Dritten Welt. München: Beck, 1987, 122 S.