Dieser Sammelband enthält die Beiträge einer vom Global Challenges Network (GCN) organisierten Vortragsreihe "Umweltgespräche für die Wirtschaft". Die Denkanstöße und Strategien für eine ökologisch nachhaltige Zukunftsgestaltung kommen von Wissenschaftlern (u. a. Dürr, Christiane Busch-Lüty, Hans Immler, Christian Leipert), von - laut Einbandtext “chetdenkern aus der Industrie" (u. a. vom Leiter des Bereichs Innovation bei Daimler Benz, Walter Kroy, und vom Chef für Strategische Planung von Krauss-Maffei, Bernhard Nill) und von Unternehmensberatern . Er enthält im ersten Teil sechs Beiträge zu "Unternehmen in der Verantwortung", im zweiten Tei fünf Aufsätze zu "Globale Strategien und Tendenzen". Es werden Antworten gesucht auf die Fragen, welche politische Kultur nachhaltiges Wirtschaften braucht, welche institutionellen Innovationen für eine ökologische Erneuerung der Industriegesellschaft erforderlich sind und wie der Brückenschlag vom "alten" zum “neue-i" Denken bewerkstelligt werden kann.

Zwei Artikel weckten das besondere Interesse des Rezensenten: Anselm Görres analysiert in prägnanten Worten und mit anschaulichen Beispielen die Handlungsspielräume, die die Marktwirtschaft für den Umweltschutz im privatwirtschaftlichen und im öffentlichen Bereich bietet. In der Umweltfrage steht unser industrielles Wirtschafts- und Gesellschaftssystem dort, wo es bei der Lösung der sozialen Frage am Ende des 19. Jahrhunderts stand, nämlich in der Phase der allmählichen Institutionalisierung. Zur Lösung des Umweltproblems haben wir aber kein weiteres Jahrhundert mehr Zeit, der Übergang zur ökologischen Marktwirtschaft muß schneller als bisher vorangehen. Dafür sind einerseits die Marktmechanismen zu nutzen, andererseits "kann der gesellschaftliche Entscheidungsprozeß Lösungen von höherem Moralitätsgehalt hervorbringen als der Marktmechanismus '', wenn der einzelne seine Rollen als Marktteilnehmer und als Bürger klar unterscheidet.

Walter R. Stahel plädiert für eine Verlängerung der Lebensdauer von Produkten, um Abfälle zu vermeiden und die Ressourcenproduktivität zu steigern. Das vielgelobte Recycling sei oft nur die zweitbeste Lösung. Eine Wiederverwendung von alten Gütern und Komponenten führte dagegen zu höheren Preisen für neue Güter, was widerum die Wiederverwendung attraktiver macht.

WSch.

Umweltverträgliches Wirtschaften. Denkanstöße und Strategien für eine ökologisch nachhaltige Zukunftsgestaltung. Hrsg. v. Hans Peter Dürr und Franz- Theo Gottwald. Münster: agenda-Verl., 1995. 243 5., DM / sFr 38, - / öS 297,-