In Anbetracht des allgemein wachsenden Umweltbewußtseins ist der sachgemäße Umgang mit Produktionsrückständen in Gewerbe und Industrie nicht mehr ein ausschließlich betriebswirtschaftliches Thema. Daher ist der vorliegende Band nicht nur für Umweltschutzbeauftragte von Interesse, gibt er doch gerade auch bei industrie- und technologiekritischer Lektüre wertvolle Hinweise auf die Differenz von Anspruch und Wirklichkeit. Es stellt sich nämlich heraus, daß eine Vielzahl neuer Regelungen zu Gewässerschutz, Abfallbeseitigung u. a. zwar jungen Datums sind, die gesetzlichen Bestimmungen aber bei weitem nicht ausreichen, um Betriebsinteressen an ökologischen Richtlinien zu orientieren. So ist beispielsweise im Bereich des Immissionsschutzes das Vorsorgeprinzip derart berücksichtigt, "daß schädliche Umwelteinwirkungen auf die ausschließlich oder überwiegend zum Wohnen dienende Gebiete ... so weit wie möglich vermieden werden". Das Maß des Möglichen wird zum einen durch die "allgemein anerkannten Regeln der Technik" und zum anderen explizit durch ökonomische Überlegungen bestimmt.
Ähnlich janusköpfig erscheint auch die Bestellung und Kompetenz eines "Betriebsbeauftragten für Abfall". Diesem obliegt es u. a., die Wege der Abfälle von deren Entstehung bis zur Entsorgung zu überwachen, Betriebsangehörige über schädliche Umwelteinwirkungen zu informieren sowie Vorschläge zur Verringerung des Abfallvolumens zu machen. Begrüßenswerte Aufgaben allesamt, für die jedoch kein Rechtsanspruch besteht. Auf dieser, letztlich Interpretation und Manipulation Tür und Tor öffnenden Gesetzeslage aufbauend, beschreiben weitere Beiträge anlagentechnische Anforderungen für die Lagerung von problematischen Substanzen. Berichte aus der Praxis einer Sondermülldeponie sowie der Untertage-Deponie Herfa-Neurode in Hessen, in welcher derzeit schon 650.000 t teils hochgiftiger Substanzen in Fässern eingelagert sind, vermitteln den Eindruck, es hätte die Industriegesellschaft selbst ihre Exkremente sicher im Griff. Nach detaillierten Ausführungen zur Sanierung kontaminierter Standorte und einer Einführung in die Möglichkeiten moderner Meßtechnik zur Bestimmung der Konzentration von Schadstoffen folgt zuletzt eine Übersicht über die derzeit aktuellen Versicherungsbestimmungen im Umweltschutzbereich. Aus ökologischer Perspektive betrachtet, schließt dieses Kapitel mit einer besorgniserregenden Empfehlung, weiche das weitverbreitete Mißtrauen gegenüber "traditioneller Politik" berechtigt erscheinen läßt: "Angesichts der weitreichenden wirtschaftlichen Auswirkungen warnen die Wirtschaftsminister und -senatoren der Länder vor übereilten gesetzlichen Regelungen. Eine europaweite Harmonisierung ist anzustreben, um Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft soweit wie möglich zu vermeiden und die Vollendung des Binnenmarktes zu fördern." Das klingt, als sollte Europa ab 1989 legal im Dreck versinken. Insgesamt ein beredtes Beispiel "organisierter Unverantwortlichkeit“, zu welcher man sich offensichtlich auch in Österreich bekennt, wie der folgende Beitrag bestätigt.

Umweltschutz Abfallbeseitigung. Besondere Anforderungen und Betriebserfahrungen, Anlagenausrüstung, Meßtechnik. Mit Beiträgen von Günther Teuscher (u. a.). Ehningen bei Böblingen: Expert-Verl., 1989. 278 S. (Kontakt und Studium; 262)