Seit der UN-Umweltkonferenz in Rio sind globale Umweltprobleme Thema der Entwicklungspolitik geworden; bewegt hat sich seither jedoch kaum etwas, wie verschiedene Stellungnahmen zum Riogipfel bestätigen. Der Soziologe Karl Bruckmeier berücksichtigt bei der Frage nach Strategien globaler Umweltpolitik das Verhältnis zwischen Industrie- und Entwicklungsländern und zeigt systembedingte Restriktionen dauerhafter Entwicklung auf.

Neben einer Diskussion über Ursachen globaler Umweltzerstörung geht es ihm prinzipiell um den Zusammenhang von Umwelt und Entwicklung, wobei   v. a. das nicht unumstrittene Konzept von "sustainable development" zur Sprache kommt. Bruckmeier beklagt, dass eine „Ökologisierung der Ökonomie" kaum stattfindet; vielmehr werde den Entwicklungsländern "eine beispiellose ,Ökonomisierung der Ökologie', die Inwertsetzung von natürlichen Ressourcen mit der Folge weiterer Umweltzerstörung, aufgezwungen". Dem setzt er Alternativen des basisorientierten Umweltschutzes wie "Ressourcenschutz in Selbsthilfe", „people centered development" oder "rural-ökologisch zentrierte Entwicklung" gegenüber.

Konstruktiv verweist Bruckmeier auf Perspektiven einer nicht-projektförmigen Entwicklungsarbeit und auf eine Zurückdrängung des staatlichen Einflusses, um dem Versagen von herkömmlicher Projektarbeit entgegenzuwirken. Im Rahmen der Diskussion von Strategien zur Ökologisierung der Entwicklungspolitik geht der Autor zudem ausführlich auf die Möglichkeiten und Aktionsformen nichtstaatlicher internationaler Umweltpolitik (NGOs und "Private Voluntary Organizations") ein. Er kommt zu dem Ergebnis, dass globale Umweltpolitik nicht auf dem Modell der Katastrophenhilfe aufbauen kann, sondern "perspektivisch und auf langfristiges Handeln ausgerichtet sein" muss. Fazit: Die Veränderung der Nord-Süd-Beziehungen muss von den lndustrieländern durch Einschränkung des Energieverbrauchs, Verzicht auf Im- und Exporte mit umweltschädlichen Wirkungen, gezielte Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen u. a. m. ausgehen. Diese Energierevolution - Bruckmeier nennt sie die dritte prometheische Revolution - kann nur durch verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen realisiert werden.

A.A.

Bruckmeier, Karl: Strategien globaler Umweltpolitik. "Umwelt und Entwicklung" in den Nord-Süd-Beziehungen.

Münster. Westfälisches Dampfboot, 1994.294 S., DM 33,80/ sFr 36,60/ öS 311