Im Rahmen der Nord-Süd-Kampagne des Europarates diskutierten Vertreter aus fünf Kontinenten über den Schutz der Umwelt und der natürlichen Lebensgrundlagen als gemeinsame Aufgabe. Angesichts der globalen Bedrohung betonten vor allem westliche Vertreter auf der Tagung des Entwicklungspolitischen Forums der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) die Notwendigkeit eines Umdenkens in Richtung globaler Betrachtungsweise. Teilnehmer der Entwicklungsländer wiesen dagegen auf den Zusammenhang zwischen Handels- und Verschuldungsproblemen und der Zerstörung der Umwelt in ihren Ländern hin. Ein Mitarbeiter der Umweltabteilung der Weltbank nannte praktische Beispiele, wie sich durch politische und wirtschaftliche Maßnahmen Erfolge zum Schutz der Umwelt erzielen lassen. Eine Änderung der Weltbankpolitik zeigt aber nur selten Wirkung vor Ort. Umweltgesichtspunkte spielen in den Projekten nur dann eine Rolle, wenn eine Regierung dies ausdrücklich verlangt.

Wie sich zeigt, helfen Lippenbekenntnisse der Industrienationen und Appelle an die gemeinsame Verantwortung für die Erhaltung der Umwelt wenig weiter. Nur selten kommt es zu gemeinsamen Taten. In Selbstgefälligkeit verlangen die Industrienationen Maßnahmen, Bewußtseinswandel und Verhaltensänderung von den Entwicklungsländern, anstatt bei sich selbst zu beginnen. 

Bauer, Dieter: Global denken, lokal handeln. Umweltprobleme in Nord und Süd sind nur gemeinsam zu lösen. In: Entwicklung und Zusammenarbeit. 1988, Nr. 4. S. 10-11