Es ist hier nicht der Ort, darüber zu spekulieren, wie viele der verkauften Bücher auch tatsächlich gelesen werden. Tatsache ist jedoch, daß die Zahl der Publikationen, die sich mit ökologischen Fragen beschäftigen, von Jahr zu Jahr wächst, so daß das Angebot kaum noch zu überblicken ist. Um so weniger dann, wenn Verlage unter gleichem (Serien)Titel um ihren Anteil am "grünen Geschäft" werben. Der von Edgar Gärtner herausgegebene Band vermittelt eine Bilanz des Jahres 87/88 aus umweltpolitischer Sicht. Es skizziert Schwerpunkte der aktuellen Diskussion, berichtet über praktische Ergebnisse der ökologischen Bewegung und vergleicht den politisch gesetzten Anspruch mit den vielfach weit bescheideneren Resultaten. So kommt der Herausgeber zu dem ernüchternden Befund, daß das Jahr 1987, von der Europäischen Gemeinschaft als "Umweltjahr" deklariert, realistischer als Jahr der Umweltverschmutzer in die Chronik der Störfälle, kontrollierten Vergiftungen und unzulänglichen Sanierungsbemühungen eingetragen werden sollte.

Die von der EG der Bevölkerung zugemuteten Höchstwerte an radioaktiver Strahlung liegen - nach Tschernobyl - beispielsweise höher als sie den in AKWs Beschäftigten zugemutet werden. Fragen der europäischen Verkehrspolitik, dem Zustand von Rhein und Nordsee, dem Problemkreis Abfall-Altlasten, der Klimaveränderung sowie der Agrarindustrie sind weitere Abschnitte gewidmet. Insgesamt bietet das Buch eine Fülle aktueller Daten und Fakten, die ebenso kompetent wie verständlich aufbereitet sind.

Die bei Moewig in der Reihe Grünbuch erscheinenden Titel widmen sich dagegen jeweils einem Schwerpunkt. Der zuletzt vorgelegte Band macht auf einen Bereich aufmerksam, der in der Diskussion erst in jüngster Zeit breiteren Raum findet: den Artenschutz. Wie weitreichend und vielfach unkorrigierbar die Eingriffe in den Naturhaushalt sind, machen einige Zahlen auf dramatische Weise deutlich: Fast die Hälfte aller in Mitteleuropa bekannten höheren Tierarten ist gefährdet, etwa 10 Prozent sind bereits ausgestorben, und es ist abzusehen, daß in ca. 50 Jahren nur noch 10 Prozent der uns heute bekannten Tier- und Pflanzenarten in Freiheit existieren werden! Das Buch macht, teilweise drastisch-plakativ formuliert, auf diese Gefahr aufmerksam, stellt Lebensraum und -gewohnheiten bedrohter Arten vor und schildert beispielhafte Aktionen, die dem statistisch unausweichlichen Genozid entgegensteuern.

In derselben Reihe sind zuvor erschienen:

Kluge, Heidelore: Umweltlexikon. Von Januar-Dezember (Bd. 3279-4)

Gerosa, Klaus: Klimaschock (Bd. 3297)

Sanwald, Imme; Thorbrletz, Petra: Unser Boden - Unser Leben (Bd.3332)

88*187+188 Grünbuch VI. Ein Jahrbuch , Hrsg. v. Edgar Gärtner. Köln: Pahl Rugenstein, 1988. 273 5. (Kleine Bibliothek; 508) DM 16,80/sfr 14,20/öS 131,-

Hermann, Herbert: Unseren Tieren eine Chance! Rastatt: Moewig, 1988. 253 S. (Grünbuch: Moewig Sachbuch; 3344) DM 14,80/sfr 12,50/öS 120,-