Neben den wie immer informativen und vor allem durch umfassende Literatur- und Adressenangaben auf vertiefende Eigeninitiative abzielenden Rubriken (Spektrum, Forum, Netzwerk) bietet das Heft auf mehr als vierzig Seiten sechs Beiträge, die in Anbetracht der Komplexität des Gegenstandes kaum hoch genug zu veranschlagen sind, Unter dem Titel "Reagieren statt Agieren" skizziert Helmut Weidner, Mitarbeiter am WZB Berlin, einleitend die Entwicklungslinien staatlicher Umweltpolitik der letzten 20 Jahre. Trotz wechselnder Koalitionen und wachsendem Umweltbewusstsein wird die Dominanz problemverschiebender Entsorgungstechniken vor "echten umweltpolitischen Innovationen" bemängelt. Die in Teilbereichen attestierte Spitzenstellung im europäischen Vergleich hat, wie Michaele Schreyer in ihrem Beitrag über Umsetzungsprobleme einer ökologisch orientierten Politik nachweist, zu einer „Sanierungsgläubigkeit" geführt. Die Erörterung rechtlicher, institutioneller und gesellschaftlicher Hemmnisse auf dem Weg zu einer ökologisch orientierten Wirtschaft mündet in der Forderung, dass der Staat als öffentlicher Auftraggeber umweltverträgliche Alternativen forcieren sollte. Dieter Teufel vom UPI Heidelberg berechnet die ökologischen und sozialen Kosten des Fortschritts mit horrenden 475 Mrd, DM jährlich (Tendenz steigend!)  und diskutiert einige Modelle ökologischer Besteuerung. Sein Resümee: Solange die externen Vermeidungs- und Schadenskosten nicht im Preis berücksichtigt werden, "wirtschaften wir permanent über unsere Verhältnisse", dessen Folge eben auch-die Umweltkrise ist. Ulrich Petschow bietet eine Bestandsaufnahme der Situation in den neuen Bundesländern und äußert sich zu Recht sehr kritisch über Entwicklungstrends infolge der neuen politischen Rahmenbedingungen. Ein ausführliches Interview mit Brandenburgs Umweltminister Matthias Platzeck rundet das Spektrum ab. Wer gleichermaßen fundierte und kritische Informationen zum Thema regelmäßig einsehen möchte, wende sich an J Radloff, Verlag für Politische Ökologie, Cosimastr. 4, 0-8000 München 81.

Umweltbilanz Deutschland. Schwerpunktthema der "Politischen Ökologie ", 9. Jg. (1991), H. 23. 58 S., DM 8,- / sFr 6,80/ öS 62,40