Zwar haben Teilbereiche der Geowissenschaften in Folge des ökologischen Krisengemenges das Interesse breiter Öffentlichkeit erlangt, doch fehlen weitgehend Darstellungen, die dem" Naturraumpotential " in seiner Gesamtheit Rechnung zu tragen suchen. Hier schließt dieser Band einige Lücken. Wesentliche, bisher viel zu wenig beachtete Dimensionen anthropogener Verletzungen des Ökosystems werden vor allem im ersten Abschnitt (vorwiegend mit Bezug auf die Situation der "alten Bundesrepublik") beleuchtet. Der Abwägung von Nutzungsinteressen in Anbetracht des exorbitanten Verbrauchs an Trinkwasser und mineralischen Rohstoffen widmet sich einleitend P. Wycsik. Am Beispiel Niedersachsen werden hier, und vertiefend in einem Beitrag von J. D. Becker-Platen, Grundzüge eines zukunftsorientierten Planungsverfahrens zur Bestandsaufnahme des Naturraums Boden beschrieben. Das Ausmaß der Schadstoffbelastungen durch Schwermetalle und die durch kurzsichtige Rücksichtnahme auf Produktionsintensitäten nur bedingt wirksamen Ansätze zur Bodenregeneration sind Gegenstand eines weiteren Beitrags. Auf das vernachlässigte Gefahrenpotential nichtradioaktiver Sonderabfälle und Probleme langfristig sicherer Lagerung in Deponien macht A. G. Hermann aufmerksam. Vor den unabsehbaren und somit unvertretbaren Risiken des Meeresbergbaus warnt schließlich J. Schneider. Die vier Texte des zweiten Abschnitts wenden sich Aspekten der atmosphärischen Umweltbelastung zu: Neben den Themen Ozon und Treibhauseffekt machen P. Cruzen und G. Warnecke auf die Gefahren und Folgen eines Atomkrieges aufmerksam, der selbst als regionaler Konflikt verheerende Folgen zeitigen würde. Einer Erörterung des Zusammenhangs von Vulkanismus und klimatischen Störungen folgt im abschließenden dritten Abschnitt eine kritische Darstellung über die begrenzte Aussicht auf mittel- und langfristige Wettervorhersagen. Trotz beachtlicher Fortschritte in Folge der Weltraumforschung überwiegt die Einsicht, dass die Komplexität des Systems zuverlässige Prognosen nicht zulässt. Wie H.-J. Lange verdeutlicht, lässt sich selbst unter der nur theoretisch denkbaren Berücksichtigung aller relevanter Parameter keine verlässliche Aussage treffen: Die Eigenheiten des "deterministischen Chaos" stellen - wie es scheint - nicht weniger als die Grundsätze unseres (naturwissenschaftlichen) Weltbildes ein weiteres Mal zur Diskussion. 

Tatort Erde. Menschliche Eingriffe in Naturraum und Klima. Hrsg. v. Günter Warnecke ... Berlin (u. a.): Springer, 1991.2925., DM 48,-1 sFr 40,70 1 öS 374,40