Das 1996 in New York erschienene Buch "Why things bite back. Technology and the Revenge of Unintended Consequences" des Historikers und Soziologen Edward Tenner liegt nunmehr auch in deutscher Übersetzung (von Michael Bischoff) vor. Je mehr Technik unseren Alltag bestimmt, desto häufiger erleben wir "Rache-Effekte": wenn etwa statt des prognostizierten ”Papierlosen Büros" die EDV-Formulare überhand nehmen, wenn wir uns durch immer mehr Klimaanlagen verkühlen, wenn die Wunderpflanze von gestern das kaum zu bändigende Unkraut von heute ist usw.

Nach einer historischen Einleitung, die die zunehmende Durchsetzung unserer Zivilisation mit Technik nachzeichnet, exemplifiziert Teller seine These anhand von vier großen Feldern: der Medizin, den Umwelttechnologien, dem Computer am Arbeitsplatz und dem Sport. Dabei wird in vielen verblüffenden und oft auch kuriosen Beispielen sichtbar, daß fortschreitende Technik zu Systemen tendiert, deren Komplexität uns überfordert, weil wir die ständige Wachsamkeitzu ihrer Kontrolle nicht aufbringen und auch ihre Langzeitwirkungen nicht absehen können. Im Vordergrund stehen dabei nicht die eher seltenen Katastrophen, sondern die vielen kleinen täglichen”Bugs", die wir schon längst als Teil unseres Lebens akzeptiert haben. Technik reagiert oft mit akuten Sofortlösungen, durch die wir uns aber oft chronische Probleme einhandeln. Die Antwort auf diese Situation sieht Teller nicht in einer Verweigerung des Fortschritts, sondern in einer Abkehr von der stetigen Intensivierung und einem naiven Technik-Optimismus; was wir brauchen, ist eine bewußtere Entwicklung, die die Grenzen des Menschen und der Natur mit in den Blick nimmt.

W R.

Tenner, Edward: Die Tücken der Technik. Wenn Fortschritt sich rächt. Frankfurt: Fischer. 1997. 448 S. DM39,80 / öS 291,- / sFr 37