„Allen periodischen Rückschlägen und Risiken zum Trotz wird sich das globale wirtschaftliche und politische Gravitationszentrum bis zur Mitte dieses Jahrhunderts dahin verschieben, wo es zuvor schon viele Jahrhunderte war: nach Asien.“ Mit dieser Feststellung leitet Karl Pilny seine Asientrilogie, die nach Japan, China und Indien im dritten Band nun die „neuen Tigerstaaten“ von Malaysia über Thailand bis Vietnam analysiert.

 

Zunächst zur Erinnerung einige von Pilny zusammengestellte Zahlen: Asien beheimatet mit seinen rund vier Milliarden Menschen 60 Prozent der Weltbevölkerung und ist mit durchschnittlich sieben Prozent die weltweit am schnellsten wachsende Region. Schon heute trägt der Kontinent nach Berechnungen der Weltbank ein Drittel zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei, bis 2040 sollen es mehr als 60 Prozent sein. Drei der vier größten Wirtschaftsmächte werden 2050 aus Asien kommen, nämlich China, Indien und Japan. Bereits in einigen Jahrzehnten wird es in Asien über eine Milliarde kaufkräftiger KonsumentInnen geben, die dem „westlichen Konsumstil“ frönen, während Europas Bevölkerung von heute 730 auf 650 Millionen Einwohner schrumpfen wird.

 

Neue Staaten neben Japan, Indien und China werden im Sog der „Großen“ und in kluger Arbeitsteilung mit diesen einen starken wirtschaftlichen Aufschwung erleben, so Pilnys Überzeugung. Indonesien werde zum „neuen Indien“, Vietnam das „neue China“.

 

Im dritten Band seiner Trilogie beschreibt der Asienkenner die zehn wichtigsten dieser aufstrebenden Nationen, wobei er neben dem politischen, sozialen und ökonomischen Ist-Zustand jeweils auch die möglichen Zukunftspotenziale auslotet.

 

In seinem Ausblick prognostiziert Pilny Asien eine weitere ökonomische Integration, die auch politisch unterstützt würde. So könne ein „panasiatisches Gemeinschaftsgefühl“ wachsen, dessen Wirtschaft vor allem auf der wachsenden eigenen Kaufkraft basiert. „Vorausgesetzt, der Nachschub an Rohstoffen und Energie ist gesichert“, habe ein „arbeitsteilig integriertes Asien beinahe die Möglichkeit, zu einem ‘Perpetuum Mobile’ zu werden, wo, abgekoppelt von den so genannten Weltmärkten, qualitativ hochwertige Güter preisgünstig hergestellt, verkauft und konsumiert werden.“ (S. 319) Nichts hält der Experte von Warnungen wie dem „Weltkrieg um Wohlstand“ oder der neuen Bedrohung „China“. Asien sei zu sehr mit sich, seinem rasanten Aufstieg und dessen Folgen beschäftigt, um einen „Angriff auf Europa“ zu planen, „wenn man nicht die Reiselust von 100 Millionen chinesischen Touristen, die für die nächsten Jahre erwartet werden, als ‘Invasion’ betrachten möchte“ (S. 320). H. H.

 

Pilny, Karl: Tiger auf dem Sprung. Politik, Macht und Märkte in Südostasien. Frankfurt: Campus, 2008. 330 S., € 24,90 [D], 25,40 [A], sFr 42,30

 

ISBN 978-3-593-38678-2