Die Österreichische Akademie der Wissenschaften befaßt sich seit 1985 systematisch mit Technikfolgenabschätzung (TA). Der Leiter des Akademie-Instituts für TA und Herausgeber des Buches, Gunther Tichy, gibt einen kurzen Überblick über Aufgaben, Nutzen und Kosten sowie die grundlegenden Methoden der TA. Wenngleich in einem kleinen Land wie Österreich die Möglichkeiten der Beeinflussung der großen technischen Entwicklungslinien minimal sind, gibt es doch genug Aufgaben für die Technologiepolitik und damit für die TA. Wie die TA in westlichen Industriestaaten organisiert und in den politischen Entscheidungsprozeß eingebunden ist. zeigen Peissl und Torgersen; sie kommen zu dem Schluß, daß Österreich keines der ausländischen Modelle übernehmen sollte. Sie führen dies darauf zurück, daß einerseits der außer- bzw. vorparlamentarische Meinungsbildungsprozeß (Sozialpartnerschaft!) besonders stark ausgeprägt ist. Andererseits wäre eine Stärkung des Parlaments anzustreben, dessen Position durch die Schaffung einer eigenen wissenschaftlichen Beratungskapazität aufgewertet werden sollte. Von welch eminenter politischer Bedeutung und Brisanz TA ist. zeigten in jüngster Zeit die Vorgänge um die Auswirkungen der Gentechnologie in Österreich. Im vorliegenden Buch ist allerdings keine Arbeit zu diesem Bereich enthalten, die angeführten Beispiele für TA kommen aus den Bereichen Telekommunikation, Umwelt, Medizin- und Sozialtechnologie. Im Umweltbereich stellen Nentwich und Rakos ein strategisches Instrument der Umweltvorsorge vor, das auf der Umweltverträglichkeitsprüfung von Politiken, Plänen und Programmen beruht. Es sollten also nicht nur Projekte, sondern auch Konzepte einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden; die internationale Entwicklung weise bereits deutlich in diese Richtung. Die weiteren Beiträge aus dem Umweltbereich befassen sich mit nachwachsenden Rohstoffen sowie mit ”Nebenstrom-Feinstölfiltern". einer Technologie zur Abfallvermeidung. Die Auswahl der im Buch behandelten Themen zeigt die Breite des Anwendungsfeldes von TA: Es reicht von der Abschätzung der Technikfolgen auf der Ebene von Programmen und Basistechnologien bis zu höchst spezifischen Technikfeldern. Einige der angeführten Beispiele beziehen sich zum Teil auf Arbeiten des Instituts für TA, die bereits vor längerer Zeit abgeschlossen worden sind. Die Darstellung erfolgt in einer auch dem interessierten Laien verständlichen Sprache. W Sch.

Technikfolgenabschätzung in Österreich. Entscheidungshilfe in einer komplexen Welt. Beispiele aus der Praxis. Hrsg. v. Gunther Tichy. Wien: Verl. d. Österr. Akademie d. Wiss., 1996. 378 S., DM 94, - / sFr 85,50 / öS 690