Die Biotechnologie ist heute das am schnellsten expandierende Gebiet der angewandten Naturwissenschaften und stellt bereits einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Das vorliegende Buch bietet eine Einführung in diese neue Technologie. Es wird gezeigt, wie man in ihr Erkenntnisse gewinnt und wo die Forschung steht. In der Biotechnologie werden mit Hilfe von pflanzlichen und tierischen Zellen und Mikroorganismen für uns nützliche Stoffe produziert. Vor allem ist man an der großtechnischen Herstellung von Substanzen interessiert, die bisher nur in winzigen Mengen (Interferon) produziert werden konnten (siehe PZ 1/87*16). Die wohl bedeutendste Triebfeder für die Biotechnologie ist die Gentechnik. Besonders spektakulär ist die Verwendung von Mikroben zur Herstellung von kostbaren Substanzen in der Medizin. Man kann Antikörper zur Diagnose und Therapie von Krankheiten entwickeln, menschliches Insulin verfügbar machen und Impfstoffe zur Bekämpfung bisher unheilbarer Leiden entwickeln. In der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion bewegt sich die Forschung von selbstdüngenden Nutzpflanzen bis hin zur Herstellung von Nahrungsmitteln ausschließlich aus mikroskopisch kleinen Organismen. Bel der Energieerzeugung erschließt die Biotechnologie erneuerbare Energiequellen (Bioalkohol) oder im industriellen Bereich neue Rohstoffe für die Produktion von Kunststoffen, Farben, synthetischen Fasern und Klebstoffen. In den neunziger Jahren erwartet der Autor beispielsweise gentechnisch veränderte Mikroben zur Mitwirkung an der Ölförderung und deren Einsatz zur Rückgewinnung von Metallen aus Industriemüll, Wasserstoffproduktion durch Bakterien im Labormaßstab, den Einsatz monoklonaler Antikörper zur Lenkung von Giften hin zu Krebszellen oder gentechnisch veränderte Nutzpflanzen. Zwar wird die Möglichkeit des Missbrauchs der Gentechnik und der mögliche militärische Einfluss auf Wissenschaft und Technik kurz angedeutet, eine kritische Diskussion möglicher Gefahren bei Anwendung und Ausnützung bleibt der Autor jedoch schuldig. Befruchtung außerhalb des menschlichen Körpers, Spermienbanken und Leihmütter sowie unverantwortliche Experimente (Wachstumshormone) und die Frage, welche Gefahren von Bakterien ausgehen, die man aus der geschlossenen Laborsituation in die freie Natur entlässt, wären hier anzusprechen. 

Prentis, Steve: Technik des Lebendigen: Biotechnologie. Eine neue industrielle Revolution. Köln: vgs Verlagsges., 1987. 264 S.