In der hier vorliegenden Übersetzung von "New Hope or False Promise? Biotechnology and Third World Agriculture" (1987) werden einige Möglichkeiten und Gefahren beschrieben, "die von der Einführung der Biotechnologie für die Landwirtschaft in der Dritten Welt ausgehen". Grundsätzlich wird gezeigt, daß sie wie bei der "Grünen Revolution" auch bei der nun erwarteten ”Biorevolution nur deren Schattenspiele zu spüren bekommen wird. Die Biotechnologie wird ab dem Jahre 2000 die Landwirtschaft stärker verändern als dies durch Mechanisierung und Chemisierung vergangener Jahrzehnte der Fall war. Zurecht fragt der Autor, ob in einer Zeit der Agrarüberschüsse und der damit verbundenen Schädigung der Umwelt eine Steigerung der Produktion notwendig bzw. vertretbar ist. Der Kampf um den Lebensmittelmarkt der Zukunft ist längst entbrannt. Es sind Milliarden im Spiel. Konzerne wie Bayer, Hoechst, Sandoz und Ciba-Geigy sind nicht nur führende Pharma- und Pestizidproduzenten, sondern beherrschen inzwischen den Saatgutmarkt. Die zur Pflanzenzucht benötigten resistenten Sorten holen sich die Großunternehmen aus der Dritten Welt, traditionell dort produzierte Rohstoffe werden in die Genfabriken verlagert. Es ist abzusehen, daß Zucker, Kakao oder Fette künftig von Unilever, Nestle, Hoechst u.a. produziert werden. Die philippinischen Kokospalmenbauern haben den Kampf um den Fettmarkt gegen Unilevers Ölpalmen bereits verloren, und die peruanischen Fischer können mit den Fabrikanlagen von Hoechst um den Proteinmarkt genauso wenig konkurrieren wie die brasilianischen Sojabohnenproduzenten. Die ”Biorevolution wird sich auf die Selbstversorgungsfähigkeit der Dritten Welt nach Ansicht Hobbelinks negativ auswirken und die Abhängigkeit noch verstärken. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, empfiehlt der Autor u. a. die Einführung eines Frühwarnsystems und die verstärkte Zusammenarbeit von Non Governmental Organizations (NGOs).

Hobbelink, Henk: Bio-Industrie gegen die Hungernden. Die Gen-Multis und die Lebens-Mittel der Dritten Welt. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, 1989, 118 S. (rororo aktuell; 12381)