
Unsere Umwelt ermöglicht Leben. Sich verändernde Anforderungen der Umwelt führen zu evolutionären Anpassungen. So weit so unumstritten. Ebenso eindeutig gestehen wir Lebewesen einen lokal begrenzten Einfluss auf die Umwelt zu, etwa wenn Biber Dämme bauen und ihr Umfeld prägen. Der Wissenschaftsjournalist Ferris Jabr geht in seinem Buch „Das Erwachen der Erde. Wie das Leben unseren Planeten formt“ aber über den Einfluss des Bibers hinaus und zeigt auf, wie sehr das Leben, von mikroskopisch kleinen Lebewesen bis hin zu großen Säugetieren, auch unsere Umwelt verändert. So beschreibt der Autor etwa den vermuteten Einfluss von ausgestorbenen riesigen Grasfressern auf klimatische Veränderungen. Ihr Leben auf der Erde sorgte durch eine Koevolution mit Gräsern für eine dauerhafte Abkühlung der Oberfläche, da Mammutsteppen heller sind als andere Pflanzen, mehr Licht reflektieren und so die Erwärmung reduzieren. Auch im Winter beeinflusste das Verhalten der Tiere das Klima, etwa wenn sie nach Wurzeln gruben und so für den Erhalt des Permafrostbodens sorgten. Mit dem, wie neuere Studien betonen, menschlichen Verursachens des Aussterbens großer Säugetiere wie den Mammuts, begann folglich der Boden zu tauen und erwärmende Treibhausgase freizusetzen. „Aus diesem Grund vertreten manche Fachleute die Ansicht, dass man den Beginn des Anthropozäns – der geologischen Epoche, die durch den tiefgreifenden Einfluss des Menschen auf den Planeten definiert ist – vor 50.000 bis 100.000 Jahren ansiedeln sollte, zusammen mit der größten Welle der Ausrottung von Tieren“ (S. 62). Mit Leichtigkeit geht der Autor von den riesigen Grasfressern über zu Mikroorganismen, denn auch hier zeigte sich in den letzten Jahren Unerwartetes: Wissenschaftler:innen fanden einen Zusammenhang zwischen der Mineralienevolution und der biologischen, was bis vor kurzem nicht in dieser Form denkbar war. Dass wir Menschen unsere Umwelt nachhaltig beeinflussen, ist wenig überraschend, dass unsere Existenz aber zu einem neuen Gestein, dem Plastiglomerat, also Gestein welches sich mit Plastik vermischt hat, geführt hat, verdeutlicht nochmals das Ausmaß des Anthropozäns. Das Buch überzeugt durch die fundierte Aufarbeitung komplexer Zusammenhänge und bietet Wissenschaftler:innen einen Bühne, die oftmals waghalsige Unternehmungen starten, wenn sie etwa für den Pleistozän-Park, ein experimentelles Naturschutzgebiet, wilde Moschusochsen einfangen.








