
„Grüner Kolonialismus“ beleuchtet Zielkonflikte und negative Folgen, die mit Strategien des Globalen Nordens zur Bekämpfung des Klimawandels einhergehen. Ein zentraler Fokus liegt dabei auf der Fortsetzung kolonialer Macht- und Ausbeutungsverhältnisse in „grüner“ Form. Oft dienen nachhaltig verkaufte Strategien weiterhin Kapitalinteressen des Globalen Nordens, welche die Natur und Lebensgrundlagen im Globalen Süden belasten, soziale Ungleichheiten und Ressourcenkonflikte verstärken und bestimmte Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Frauen, diskriminieren.
Das Buch zeichnet sich durch große thematische Vielfalt aus, macht Zusammenhänge zwischen scheinbar getrennten Problemfeldern sichtbar und rückt Perspektiven in den Vordergrund, die im öffentlichen Diskurs und von vielen Regierungen des Globalen Nordens häufig unterdrückt oder nicht gehört werden.
Enorme Vielfalt an abgedeckten Themen
Konkret beschreibt das Buch - verteilt auf 18 Kapitel - Charakteristika und Folgen eines „Dekarbonisierungskonsens“ für Länder des Globalen Südens (Teil 1), ordnet sie in Bezug auf Umwelt-, soziale und globale Gerechtigkeit ein (Teil 2) und zeigt zugleich bereits umgesetzte Alternativen und Bewegungen (Teil 3). Zu den behandelten Themen gehören unter anderem Energieimporte in den Globalen Norden (z. B. grüner Wasserstoff), Ressourcen und Ressourcenkonflikte (z. B. kritische Rohstoffe), historisch gewachsene Schulden und mögliche Auswege, Agrarpolitik und Ernährungssicherheit, globaler Handel, Nature-based Solutions sowie Umweltgovernance. Außerdem werden theoretische, teils wissenschaftliche, Ansätze wie grüner Extraktivismus, ökologischer ungleicher Austausch, Ökosozialismus sowie Konzepte aus dem (Afro-)Ökofeminismus und Degrowth behandelt und teils mit praktischen Beispielen illustriert.
Die Vielfalt des Buches zeigt sich auch in den Autor:innen, sowohl in ihrer Herkunft als auch in ihren Perspektiven. Zu Wort kommen Forschende, Aktivist:innen und Fachleute mit geografischem Schwerpunkt auf Lateinamerika und Afrika, ergänzt durch Beiträge aus Asien. Vor allem Menschen aus dem Globalen Süden, aber auch einige aus dem Globalen Norden, kommen zu Wort.
Kritischer Blick und Relevanz
Die Einflussnahme der fossilen Lobby gegen Klimaschutz und Energiewende wird weltweit immer mehr offensichtlich. In zunehmend autoritären Kontexten wie den USA werden fossiler Extraktivismus und neue Formen von Imperialismus aktiv gefördert, getragen von Macht- und Kapitalinteressen, denen soziale und ökologische Rechte untergeordnet werden. Auch in der EU zeigen sich deutliche Abschwächungen gesetzlicher Rahmenbedingungen und politischer Nachhaltigkeitsziele.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Buch an Bedeutung: Es zeigt, dass es Menschen und Initiativen gibt, die globalen Ungleichheiten, egal welcher Form, entgegentreten und eine tiefgreifende sozio-ökologische Transformation anstreben. Im Zentrum stehen nicht Wachstum und Kapitalverwertung, sondern – zum Beispiel im Sinne von Degrowth-Debatten – Bedürfnisse, Fürsorge, Solidarität, Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe. Zugleich verbindet das Buch Menschen und Perspektiven und schlägt einen Weg von vereinzelten regional-lokal geführten Bewegungen hin zu organisierten, internationalisierten Initiativen als Gegenpol vor.








