90 % der rund fünfzig derzeit weltweit geführten Kriege sind innerstaatliche Auseinandersetzungen, ihnen liegen Autonomie-, Sezessions- oder Machtkonflikte zugrunde. Der Schwerpunkt dieses" Friedensberichtes", an dem 20 Personen aus Friedens- und Politikwissenschaften mitgewirkt haben, liegt demnach auf der Suche nach vorbeugender und umfassender Friedenspolitik. Einer Übersicht über die aktuellen Konflikte aus der Sicht der Kriegsursachenforschung und der Analyse konkreter Gefahren- und Kriegszonen - so werden der indisch-pakistanische Konflikt (Khalid Duran) sowie jene in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion (Ewald Böhlke) als gefährliche Brennpunkte potentieller Kriege von morgen herausgestellt - folgen Beiträge über mögliche Konfliktinterventionen.

Ausgehend von den tragischen Erfahrungen in Bosnien-Herzegowina wird eine Stärkung des humanitären Völkerrechts ("humanitäre Agenda") gefordert (Hans-Peter Gasser); praktischer Menschenrechtsund Flüchtlingsschutz erfährt seine Bekräftigung am Beispiel der UNPROFOR in Kroatien. Einem Bericht über die aktuelle Entwicklung der Nord-Süd-Beziehungen (Anselm Skuhra) folgt eine kritische Würdigung neuer regionaler" Sicherheitsregime" im Süden (OAU, OAS, ASEAN u.a.) Ausführlich werden die Chancen und Grenzen der Vereinten Nationen im Bereich der Friedenssicherung erörtert, wobei die 1992 vom UN-Generalsekretär erstellte "Agenda for Peace" im Mittelpunkt der Analyse steht (Günter Bächler).

Die Rolle der Blauhelme im Bereich der Friedenserzwingung - im Gespräch ist eine eigene UNO-Polizeitruppe - wird kontrovers diskutiert (Winrich Kühne / Randolph Nikutta). Das krasse Missverhältnis zwischen den weltweiten Ausgaben für Rüstung und Militär und jenen für internationale, zivile Konfliktlösung durch die UNO und nichtstaatliche Organisationen - die Mittel für UN-Einsätze machten im Jahr 1992 nur 1 % der Weltmilitärausgaben, die noch immer an der 1-Billion-Dollar-Grenze liegen, aus! - wird u. a. in einem Beitrag über Rüstungskonversionsstrategien (Herbert Wulf) problematisiert. Ein Bericht über das weltweit erste Ausbildungsprogramm für ziviles Peacekeeping und Peacebuilding am Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Arno Truger) schließt den umfangreichen und informativen Band ab.

H. H. 

Krieg und gewaltfreie Konfliktlösung. Friedensforscher zur Lage. Friedensbericht 7994. Hrsg. v. Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung ... Chur (u. e.): Ruegger, 7994. 335 S (Dialog; 26) DM 38,- / sFr 33,10/ öS 297,-