Gegenstand dieses Sammelbandes ist die in diesen Tagen oft gestellte Frage, ob der Sozialstaat am Ende sei, oder ob es lediglich gewisser Anpassungsmaßnahmen zur Sicherung seines Überlebens bedürfe. Norbert Blüm führt eine von den Prinzipien der Christlichen Soziallehre ausgehende Diskussion über Lohngerechtigkeit und soziale Versorgung. Den Abschluss seines Beitrages bildet eine Betrachtung des sozialen Wandels in Deutschland seit der Wiedervereinigung.

Helmut Klages bietet eine - auch historische Analyse des deutschen sozialpolitischen Systems aus der Sicht eines Vertreters der empirischen Sozialwissenschaft. Dabei setzt er sich besonders mit der Zeit seit 1982 auseinander, versucht aber auch eine Einschätzung zukünftiger Trends. Werner Tegtmeier behandelt die wesentlichsten Entwicklungen von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit aus wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Sicht, und Martin Ammermüller analysiert das Arbeits-und Sozialrecht Deutschlands im Lichte der Wiedervereinigung. Mit der Frage der Alterssicherung setzen sich Karl Hauck und Karl Jung auseinander. Hauck verteidigt dabei die vor zwei Jahren eingeleitete Rentenreform und spricht sich gegen Konzepte einer materiellen Grundsicherung aus. Jung zeichnet den Weg zur Einführung der Pflegeversicherung nach. Thomas Ruf schließlich betrachtet Sozialpolitik im wirtschafts- und finanzpolitischen Kontext. Er verteidigt die sozialstaatlichen Errungenschaften und weist alle Versuche, die Sozialpolitik zum Hemmschuh für wirtschaftliche Entwicklungen zu stempeln, zurück. Wichtiger als der Ausbau des Sozialstaates ist ihm aber der Umbau der Sozialpolitik und deren Orientierung an wirtschafts- und finanzpolitischen Erfordernissen.

Allen Autoren gemeinsam ist das grundsätzliche Bekenntnis, dass das bestehende sozialstaatliche System erhaltenswert ist, aber nur durch permanente Anpassung an sich ändernde gesellschaftliche Realitäten verteidigt werden kann.

J. P 

Sozialstaat im Wandel. Hrsg. v. Bundesministerium für Arbeit und Sozielordnunq. Bonn: Economica-Verl., 1994.2425., DM39,80/sFr36,60/ö531,-