Dieser auf eine 1985/86 an der Technischen Universität Graz gehaltenen Vortragsreihe zurückgehende Band widerlegt schon durch die Vielfalt der behandelten Fragen jenes weit verbreite (Vor-)Urteil, nach welchem der Umgang "der Techniker" mit ihrem Gegenstand stets fachbegrenzt und ohne Reflexion (gesamt)gesellschaftlicher Zusammenhänge vor sich gehen würde.

Entsprechend warnt Günter Ropohl im ersten der insgesamt 18 Beiträge vor pauschalen Verurteilungen der Technik, die er im konservativen Kulturpessimismus begründet sieht. Ethisch-religiöse Dimensionen - dargestellt anhand der biblischen Schöpfungsgeschichte und der Formel vom "Fluch und Segen der Technik" - behandeln Günter Altner und Otto Ullrich. Zwei Aufsätze sind dem Bereich Technikfolgenabschätzung (TFA) gewidmet: Volker von Thienen analysiert die politische Attraktivität dieses Verfahrens, das Steuerungsprobleme selbst wieder technokratisch und unideologisch in den Griff zu bekommen verspricht und auch als (schein)demokratisches Instrument der Meinungsbildung einzusetzen ist. Mit Arie Riep teilt er die Auffassung, daß eine tatsächlich soziale Beurteilung technischer Prozesse noch anderer Formen und weiterer Akteure bedarf. Andernfalls läuft die TFA Gefahr, zur bloßen Legitimationsrhetorik herabzusinken.

Weiter findet man drei Beiträge zu Fragen der Energietechnik, in denen politisches Engagement gegen die atomare Wiederaufbereitung gefordert, aber auch Möglichkeiten rationeller Energieverwendung angesprochen werden. Hans Heinz Fabris und Ulrich Briefs beschäftigen sich - jeweils sehr kritisch - mit den gesellschaftlichen Aspekten der neuen Kommunikationstechnologien. Während Fabris die Verkümmerung sozialer Kontaktfähigkeit, Vereinsamung bis hin zur Isolation als Folge der Transparenz und Offenheit propagierenden medialen Überflutung befürchtet, erörtert Briefs die Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Der spezifischen Situation Österreichs im Bereich der Rüstung und der Konkurrenzfähigkeit beim Kampf um neue Technologien widmen sich Peter Pilz und Peter Fleissner. Das überzeugendste Beispiel "sozialer Technik" beschreibt Ottokar Uhl in dem abschließenden Bericht "Perspektiven des Bauens": Er zeigt, daß das Ideal partnerschaftlicher Zusammenarbeit, das gleichberechtigte Nebeneinander von Architekten und (zukünftigen) Hausbewohnern verwirklicht werden kann. Von dieser Form tatsächlich sozialen Wohnbaus sind wir freilich im Allgemeinen noch weit entfernt.

Die Vielfalt des Buchs sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß die soziale Dimension der Technik noch viel zu wenig Gegenstand von Lehre und Forschung ist. Die Mehrzahl der Mahner (und Wegbereiter) sind Philosophen, Soziologen oder Außenstehende, die gerade aufgrund ihres Standorts unermüdlich vor der Blindheit technologischen Fortschritts warnen. Daß sie mehr und mehr Gehör finden, auch dort, wo "Berufene" auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet werden, ist mit Interesse zu beobachten.

Soziale Technik: Antworten auf die Technikkritik. Hrsg. von Günter Getzinger und Boris Papousek. Wien: ÖGB-Verlag, 1987, 378 S.