Ging es in ihrem Buch "Die Zukunftsgesellschaft" noch allgemein um die neu sich herausbildenden Werte der gegenwärtigen Übergangsgesellschaft, so wird im vorliegenden Band der Wertewandel der Jugend herausgearbeitet. Die alten Erfolgsmuster der Nachkriegsgeneration werden abgelehnt. Leistungslust ist eine Forderung der anbrechenden Zukunft und dementsprechend eine neue Aufgabe für uns alle. Die Leistung dient den jungen Menschen als Instrument zur Glückbeschaffung.

"Sie verlangen keine Wunder, aber sie halten es für denkbar, daß sie selbst solche schaffen können." Das bisher geltende Besitzprestige ist weniger wichtig als Aktionsprestige, statt Normen sind Menschen und ihre Lebensstile die Leitbilder für die jungen Erfolgreichen. Die Jugend der ausgehenden 80er Jahre erprobt neue Strategien gegen den Schmerz. Gleichzeitig übernehmen Frauen einen wesentlichen Anteil an der Erneuerung der Kultur. Indem neue Berufsbilder auftauchen, werden andere Frauenrollen praktiziert und nicht wie bisher viel Energie darauf verwendet, es den Männern gleichzutun. Besonders in der Wirtschaft werden sogenannte "welche" Faktoren immer wichtiger. "Konsum als Selbstzweck" ist nicht der heute prägnante Trend. In der Männergesellschaft sieht Höhler vermehrt Zeichen zur "Infantilisierung". Die Frauen hingegen werden erwachsen.

In Anbetracht der „Gnadenlosigkeit der Kausalitäten" erschreckt uns die Bereitwilligkeit der jungen Generation, nur "kleines Gepäck für große Aufgaben" mitzunehmen, indem sie den hohen Schadensrechnungen der Vorgängergeneration ihre eigenen Bilanzen entgegenhält. Denkt man nur an die Atommülllagerung, ist der Ausstieg der Jugend im globalen Kontext nicht so möglich, wie die Autorin das möchte. Was nützt da die propagierte „Aufkündigung der Erinnerung" in Anbetracht der uns allen gestellten Zukunftsaufgaben.

Höhler, Gertrud: Offener Horizont. Junge Strategien verändern die Welt. Düsseldorf (u.a.): Econ, 1988.308 S. DM 39,80 / sfr 36,60 / öS 279,-