Editorial 2/1988

Die Arbeitswelt ist als Folge neuer Produktions- und Organisationstechniken in eine tiefe Krise geraten. Der Öffentlichkeit sind bisher fast ausschließlich die negativen Folgen dieser Entwicklung deutlich geworden: Arbeitslosigkeit, Zweidrittel-Gesellschaft, immer unerträglichere Kontrollen, Verlust an Eigenbestimmung und Kreativität. Dass diese Erschütterung alter Einstellungen und Muster auch Möglichkeiten einer positiven Wandlung verheißt, sollte nicht als Schönfärberei angesehen werden, sondern als Chance, die bereits jetzt in soziotechnischen Experimenten erprobt wird. Weniger monotone, qualitativ bessere, demokratischere Arbeitsformen werden zurzeit in England, der Schweiz und Norwegen erfolgreich erprobt. Eine kürzlich von Christof Baitsch und Eberhard Ulrich (beide ETH Zürich) herausgegebene Sondernummer der Zeitschrift „psychosozial“ zeigt eindrücklich, dass eine humanere Arbeitswelt Wirklichkeit werden kann, wenn die Entscheidungsträger den Anregungen zukunftsorientierter Ergonomen folgen würden, die eine „menschengerechtere Arbeitswelt als Herzstück einer menschengerechteren Zukunft“ sehen.