Dem Journalisten und Schriftsteller Robert Kaplan verdanken wir beeindruckende und mahnende Reportagen aus der Dritten Welt, die nicht einer tagesaktuellen, dem Augenblick verhafteten Berichterstattung verpflichtet sind. Die Elfenbeinküste in Westafrika nimmt der Autor zum Ausgangspunkt einer Reise, die ihn u. a. ins Niltal, in den Iran, nach Pakistan und in hinterindische Staaten führt. Der Leser begibt sich mit auf die Reise, ob im überfüllten Bus auf Staubstraßen, auf einem chaotischen Marktplatz, bei der Ankunft auf einem "Schrotthaufen" namens Flughafen, und doch findet man sich zuweilen auch in Diplomatenvierteln wieder. Die Suche Kaplans gilt nicht offiziellen Standpunkten, sondern "tieferen" Einsichten und Einblicken. Er zeichnet dabei nicht überraschend ein düsteres Bild der Welt voll alarmierender Anzeichen. Die Gründe für den sinkenden Lebensstandard in den meisten Ländern der Dritten Welt sieht der Reporter im Kolonialismus, im internationalen Wirtschaftssystem, in korrupten Eliten und patriarchalischen Gesellschaftsformen. Afrika ist für ihn der Inbegriff von Chaos und Anarchie. Es spielt in der Weltwirtschaft so gut wie keine Rolle mehr. 13 % der Menschheit tragen nur 1,2 % zum Bruttoinlandsprodukt der Welt bei. Im Gegensatz dazu leistet sich der Präsident der Elfenbeinküste in der offiziellen Hauptstadt Yamoussoukro eine gewaltige katholische Basilika um fast eine halbe Bia. Dollar. Pakistan hält der Autor für ein zerfallendes Staatsgebilde. "Bereits 1988 brachten illegale Drogen dem Staat vier Milliarden Dollar jährlich an Devisen ein mehr als alle legalen Exporte zusammen." Auch der Blick auf Indien läßt ihn um die Zukunft fürchten. Wie wird es sein, wenn die Bevölkerung dort von derzeit 900 Mio. auf mindestens 1,25 Mia. in drei oder vier Jahrzehnten angewachsen sein wird und derzeit schon über 270 Mio. Menschen hungern? In den Berichten Kaplans spiegeln sich jeweils mehrere Wirklichkeiten, und es zeigen sich einmal mehr die enormen Unterschiede auf dem Globus. Er selbst verweist darauf, daß es in einigen Erdteilen derzeit eine Computerrevolution gibt, in anderen hingegen nicht einmal eine verläßliche Stromversorgung. Der Autor äußert die Vermutung, daß da wie dort die Zukunft noch trauriger sein wird als die Gegenwart. Auch wenn sich der reiche Norden in einen festungsartigen Nationalismus zurückzieht, würde uns eine Flut aus Menschen und Armut zur Erkenntnis zwingen, "daß wir alle auf der einen einzigen Erde leben, die zunehmend kleiner und enger wird". A. A.

Kaplan, Robert: Reisen an die Grenzen der Menschheit. Wie die Zukunft aussehen wird. München: Droemer Knaur, 1996. 496 S.,