Da die Überwindung des Kapitalismus unwahrscheinlich und auch nicht wünschenswert sei, die NGOs, die dieses wollen selbst wenig Möglichkeiten hätten, substanziell etwas zu verändern, da sie eben nichts zu vergeben haben, sei es sinnvoller, mit den Reichen zu kooperieren und diese zu noch mehr Wohltätigkeit anzustiften. So kurzgefasst die Meinung von Helmut Spudich, Wirtschaftsredakteur der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“. In  „Reich & gut“ beschreibt er solche edlen Spender a la Bill Gates und Warren Buffet, die im Juni 2010 mit einem Aufruf an ihre „KollegInnen“ an die Öffentlichkeit getreten waren, mindestens 50 Prozent ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Beiliebe nicht alle Wohlhabenden würden ihr überschüssiges Geld sinnvoll anlegen, aber es würden immer mehr, so die Überzeugung des Autors. Und es wäre fahrlässig, diese zu vergrämen. Denn: „Weil wir es uns gar nicht leisten können, auf diese privaten Geldvermögen zu verzichten, brauchen wir einen pragmatischen Umgang mit der Wohltätigkeit von Reichen und Superreichen“ (S. 12). Spudrich hat zum einen nicht Unrecht; und doch wäre es verkürzt, neben der Gutheißung dieser Spenden nicht gleichzeitig politisch daran zu arbeiten, dass diese Vermögenskonzentrationen unterbunden werden. Und dass Stiftungen ökonomisch fähiger wären als Staaten, gezielt zu helfen, darf bezweifelt werden – trotz der „Sozialunternehmer“, die Spudich ebenfalls vorstellt. Letztlich werden es strukturelle Änderungen sein, die den Entrechteten auch zu ihren Rechten verhelfen. H. H.

 

Spudich, Helmut: Reich & gut. Wie Bill Gates & Co die Welt retten. Wien: Ueberreuter, 2010. 192 S., € 19,95 [D], 20,55, sFr 34,90

 

ISBN 978-3-80007-470-9