"Was die Menschen scheidet - religiöse, kulturelle und politische Unterschiede -, ist an einem Ort, in einer Stadt, immer öfter sogar in einer Familie, in einer Biographie präsent", und bedeutet - so Ulrich Beck im Vorwort zu diesem Band (S.7) - Weltgesellschaft. Der in München und London wirkende Soziologe hat an dieser Stelle insgesamt 15 Beiträge zusammengestellt, die aus Sicht der Ethnologie, Soziologie, der Politikwissenschaft sowie der Ökologie weitere Mosaikstücke zur Globalisierungsdebatte darstellen. Der daraus sich ergebende Gesamteindruck ist ambivalent: Neben klaren, überzeugenden und wohl auch zum Widerspruch Anlaß gebenden Befunden - Ralf Dahrendorf: ”Globalisierung bedeutet, daß Konkurrenz groß- und Solidarität kleingeschrieben wird." (S.48); Elisabeth Beck-Gernsheims hervorragenden Studie über Probleme der ethnischen Zuordnung im Zeitalter der Globalisierung („Schwarze Juden und griechische Deutsche") oder Martin Jänickes 12 Thesen zu ökologischen Determinanten des Weltmarkts - der Autor sieht durchaus Gestaltungspotentiale nationaler Umweltpolitik, ja mehr noch: die Möglichkeit daß sich Staaten durch die ”Globalisierung von Politik" gegenüber den hochorganisierten Wirtschaftsinteressen einiges an Gestaltungspotential zurückholen (vgl. S. 343) - finden sich eher fragende Annäherungen an das Thema im Sinne der Neuorientierung der eigenen Disziplin: So die Thesen des aus Indien stammenden Anthropologen Arjun Appadurai (Chicago) zur Entwicklung einer "kosmopolitischen Kulturwissenschaft" mit dem Ziel der Ergründung globaler ethnischer Räume, sowie Martin Arborows selbst in der Übersetzung wohltuend verständlichen und dennoch tiefgründigen Anmerkungen über die (vermutlich) wachsende Bedeutung des Sozialen in der - vorübergehenden - "Weltgesellschaft". Erhellend v. a. auch der zwischen Andrew Kirby („Wider die Ortslosigkeit") und Joshua Meyrowitz („Das generalisierte Anderswo") ausgetragene Disput um die Relevanz des Lokalen, der m. E. mit einem deutlichen Punktegewinn für Letztgenannten endet, sowie das Plädoyer Charlotte Brethertons (Liverpool) für die Entwicklung "Allgemeiner Menschenrechte", die verstärkt die Rechte von Kindern und Frauen und insbesondere das bislang nicht juridisch kodierte Phänomen häuslicher Gewalt mit zu berücksichtigen hätten. Daß es darüber hinaus auch eine Reihe sperriger Beiträge gibt deren Verfasser, so scheint es, auch das Thema der Globalisierung aus der Perspektive des Elfenbeinturms zu behandeln verstehen, sei der Vollständigkeit halber nicht verschwiegen. .:. Zusammengenommen. ein weiterer wichtiger Beitrag zur Fortführung der Debatte um eine Entwicklung, die wir zwar täglich erfahren. von der wir aber allenfalls ahnen, wohin sie führt.

 W Sp. 

Perspektiven  der Weltgesellschaft. Hrsg. v. UIrich Beck. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998, 436 S.(Edition Zweite Moderne) DM 34, - / sFr 31,50/ öS 248,-