Ursachen, Bewegungsformen und Entwicklungsrichtungen des sozialen Wandlungsprozesses in Osteuropa sind Gegenstand des Buches. Ausgangspunkt ist die These vom einseitigen West-Ost-Transfer soziokultureller Neuerungen, die den realen Sozialismus zur „Nachahmungsgesellschaft" werden läßt. Ein weiterer Zersetzungsprozeß des realen Sozialismus besteht in der Herausbildung einer "zweiten Gesellschaft", worunter die spontane Ausbreitung von Markt-Preis-Mechanismen sowie die Etablierung einer inoffiziellen Untergrundgesellschaft privater Beziehungen verstanden wird. Ungeachtet der soziokulturellen ”Verwestlichung" geht der stärkste aktuelle Reformzwang Osteuropas unmittelbar von der Wirtschaft aus. Er richtet sich gegen die überzentralisierte Planung und Leitung der Volkswirtschaft und damit gegen die wirtschaftliche Machtposition der herrschenden kommunistischen Parteien und ihrer Bürokratien. Die Reformation Osteuropas ist keine organische Selbstentwicklung des sozialen Systems, sondern eine von außen induzierte Modernisierung, die aus Sicht der kommunistischen Führung einen Defensivprozeß darstellt. Er besteht in der Demokratisierung und marktwirtschaftlichen Strukturierung der Gesellschaft, die für Parteiapparate eine selbstzerstörerische Eigendynamik besitzen. Robejsek gibt eine Fülle von Detailinformationen über die Vorgänge im Osten Europas. Durch ihre oftmals eklektische Zusammenfügung entsteht jedoch der Gesamteindruck einer zu empirischen, zu oberflächlichen Analyse der heutigen Sozialismusentwicklung und erst recht der westlichen Interessenlagen dazu.

Robejsek, Peter: Abschied von der Utopie. Östliche Reformen und westliche Interessen. Herford: Busse + Seewald, 1989. 238 S.

 

Weiterführender Literaturhinweise: Eine Innenperspektive zur politischen Situation in der Sowjetunion, die zugleich Chancen und Gefährdungen benennt, liefert: Aganbegjan, Abel: Ökonomie und Perestroika. Gorbatschows Wirtschaftsstrategien. Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1989. 320 S.