Noch ist es gang und gäbe, daß Menschen, die für eine friedvolle, von Hilfsbereitschaft und Mitgefühl geprägte Gesellschaft eintreten, als realitätsfremde Träumer diffamiert werden. Die nunmehr auch in deutscher Sprache vorliegende Untersuchung der amerikanischen Anthropologin und Feministin Riane Eisler weist jedoch nach, daß die wachsende Sehnsucht nach einem humanen, von ”Weiblichen" Eigenschaften bestimmten Zusammenleben, das "männliche" Prinzipien ablöst, auch die Vergangenheit als Zeugin anrufen kann.

Die von ihr vertretene "kulturelle Transformationstheorie " verdeutlicht, daß die menschliche Evolution von Anbeginn an partnerschaftlich organisiert war. Unter dem Zeichen der "Großen Göttin" wurde von der älteren Steinzeit bis zur minoischen Kultur lebenserhaltenden, sozialen Aufgaben allgemeine Priorität eingeräumt, wobei der Frau im öffentlichen wie privaten Leben eine zentrale Rolle zukam. Dieses "gylanische" Prinzip, nach welchem Männer wie Frauen gleichberechtigt waren, wurde erst vor etwa 6000 Jahren durch "andokratische" Herrschaft abgelöst, konnte aber trotz aller Bemühungen niemals zur Gänze unterdrückt werden. So sind die Theorien der Vorsokratiker und vor allem die Lehren .Jesu von egalitären Wertvorstellungen geprägt, die auch heute in der Friedens-, Frauen- und  Umweltbewegung wieder eine zentrale Rolle spielen. In Anbetracht der globalen Krise des dominatorischen Modells sind sie als "evolutionär bedingte Überlebensstrategien der Spezies Mensch anzusehen Denn Eisler läßt keinen Zweifel aufkommen, daß es für uns nur dann eine Zukunft geben kann, wenn es gelingt, uns von der "Herrschaft des Schwertes zu befreien und Formen des gewaltfreien Zusammenlebens von neuem zu entwickeln.

Eisler, Riane: Von der Herrschaft zur Partnerschaft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte. München: Bertelsmann, 1989.430 S.