Andreas Brenner liefert mit seinem philosophiegeschichtlich orientierten Ansatz einen wertvollen Beitrag zur laufenden Diskussion um die globale Ökologiekrise. Ausgehend von der aktuellen Ethikdiskussion in der Philosophie stellt er die Umweltproblematik wohltuend aus dem oft zu eng konzipierten Gegenwartsbezug heraus und zeigt ihre historische Dimension auf. Wissenschaftlich klar untersucht der Autor in seiner Dissertation nicht nur die zentrale Rolle der Aufklärung in diesem Zusammenhang, sondern widmet auch der Hinterfragung grundlegender Begriffe wie "Natur", "Kultur" und "Technik" angemessenen Raum.

Der Streit um die ökologische Zukunft ist nicht weniger als der Streit um die Frage, ob das aufklärerische Ideal der Emanzipation des Menschen von der Natur sich nicht heute mittels der Übertechnologisierung unserer Welt bereits gegen die Menschheit richtet und ob daher nicht eine vormoderne, am klassischen Beispiel der Antike orientierte "Neue Ethik" zeitgemäß wäre. Andreas Brenner versucht den Entwurf eines Ausgleichs der konträren Positionen, indem er betont, dass eine Revision der Moderne nicht denkbar ist, dass aber andererseits ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel vonnöten sein wird, um die drohende ökologische Katastrophe abzuwenden. D

er Autor skizziert seinen Lösungsvorschlag am Modell einer "Weltpolis" und fordert eine radikale Änderung gewisser gesellschaftlicher Werte, wie etwa die Rückbesinnung auf das gemeinsame Projekt Menschheit im Sinne einer Absage an den Egozentrismus unserer Zeit. Dieses Konzept der "globalen Nachbarschaft" (als für die Zukunft der Menschheit unerlässlich) bewusst zu machen, ist für Brenner die Aufgabe der Stunde und weist auch der Philosophie eine neue, konkrete Verantwortung zu. Auch sie hat einen Beitrag zu leisten, um ein neues gesellschaftliches Bewusstsein zu schaffen und spät aber doch - den grundsätzlichen Diskurs darüber in Gang zu bringen, welche soziomoralische Grundlage die moderne, wissenschaftlich-technologische Zivilisation haben soll.

H. S. 

Brenner, Andreas: Streit um die ökologische Zukunft. Neue Ethik und Kulturalisierungskritik. Würzburg: Königshausen & Neumann, 1994. 233 S., DM 48,- / sFr 41,-/ öS 374