Gewinn oder Moral - unvereinbare Gegensätze im System der wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft? Jost Lammers und Oliver Schmitz sagen nein. In diesem Buch versuchen sie den Beweis anzutreten, daß gewinnorientiertes und moralisches Handeln einander nicht ausschließen. In einer fundierten und anschaulichen Einführung zur "Wirtschafts- und Unternehmensethik" stellen Lammers und Schmitz drei Theoriekonzepte aus dem deutschsprachigen Raum vor. Die Wirtschaft muß hinsichtlich der weltweiten sozialen und ökologischen Probleme vermehrt Verantwortung übernehmen. Hierzu gilt es, kompatible Lösungen zu finden, unternehmensethische Konzepte, die auch die ökonomischen Imperative der Marktwirtschaft berücksichtigen. Die beiden Autoren schließen sich im Großen und Ganzen den Theorien von Homann an, bauen diese aber noch aus, indem sie eine zukunftsweisende Perspektive nur in der Stärkung der Unternehmen als moralische Akteure sehen, die ein ethisches Vorgehen durch selbstgesetzte Regeln - wie etwa Branchenkodizes - festlegen. Dies könne durchaus auch mit dem Prinzip der Gewinnmaximierung im Einklang stehen, indem entsprechend klare Unternehmensleitbilder entwickelt und vermarktet werden (Stichwort "Corporate identity"). Von besonderem Interesse ist der Blick in die USA wo man auf dem Gebiet der Unternehmensethik schon viel weiter ist. Die erst im November 1991 diesbezüglich verschärften" Federal Sentencing Guidelines" übertragen ethische Kontrollfunktionen auf die Unternehmen. Diese erstellen in ihren "Codes of Ethics" selbst einen umfassenden Anforderungskatalog, von der Produktqualität bis zur Sicherheit am Arbeitsplatz, vom entsprechenden "moralischen Training" der Mitarbeiter über die Einrichtung eines Kontrollsystems bis hin zu Wiedergutmachungsaktivitäten. Derart konkrete Handlungsanweisungen garantieren die Überprüfbarkeit der Unternehmensleitbilder und schaffen so eine echte Alternative zur Tradition der rein gesetzlichen Rahmenordnung im Bereich der Wirtschaftsethik. H. H.

Lammers, Jost; Schmitz, Oliver: Der moralische Handlungsspielraum von Unternehmen. Eine institutionenökonomische Perspektive. Marburg: Metropolis-Verl., 1995. 146 S.