Verkörpern NGOs die "neue Internationale" und gleichzeitig die effizienteren "global governors"? Werden sie künftig - etwa in "Dritten Kammern" - die überforderten Politiker und - im Subsidiaritätstrend - auch unfähige Administratoren ablösen? Profitieren sie "vom Verlust der Steuerungs- und Problemlösungskompetenz des Staates'? Diese und ähnliche Fragen stellten sich 1996 in Berlin Wissenschaftler in einem Forschungsprojekt, koordiniert durch Elmar Altvater, das dem Buch den Untertitel gab. Sie knüpften an den Erfahrungen von NGOs und Aktionsgruppen an, die sich zum Berliner "Netzwerk Klimagipfel '95" zusammengeschlossen hatten. Wie bei der UN-Umweltkonferenz "Rio '92" mußten sie zwischen einer Integration mit Partizipations- und Einflußmöglichkeiten - z.B. im "Agenda 21"-Prozeß und im Klimabündnis zwischen europäischen Städten und indianischen Gemeinschaften im Amazonas - und ihrer bisherigen Rolle, Protest und Gegenmacht zu organisieren, entscheiden. Dieses spannende Bündnis entwickelte sich bei den nachfolgenden UN- und anderen weltweiten Konferenzen weiter. Altvater erhofft sich von den NGOs ein Gegengewicht gegen die herrschende Globalisierung, weil sie - anders als Parteien - nicht an Territorien und an nationalstaatliche Interessen gebunden sind. Allerdings sind die anspruchsvollen Ziele - Protest, Beseitigung struktureller Folgeschäden, Entwicklung und Realisierung von Alternativen, Lobbyarbeit und Kontrolle in Politik und Verwaltung ... - angesichts schwindender finanzieller und politischer (Machtmittel immer schwieriger umzusetzen. Durch diese mehrfache Überbelastung drohen selbst Großorganisationen wie Greenpeace und Gorbatschows "Grünes Kreuz" zusammenzubrechen. Die fehlenden Resultate der New Yorker "Rio + 5"-Konferenz wie auch die mageren Fortschritte in der Klimapolitik bestätigen jene, die vor diesem Marsch durch die Institutionen warnen. Allzu leicht könnten NGOs zu "Neutralisierten Globalisierten Organisationen" und damit zu GONGOs (Governmental Organized/Owned NGOs), GRINGOS (Government Run/lnspired NGOs) bzw. QUANGOs (Quasi NGOs) mutieren. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken erscheint eine eigenständige Agenda und eine autonome, regierungsunabhängige Vernetzung unverzichtbar. M. Rei.

Vernetzt und verstrickt. Nicht-Regierungs-Organisationen als gesellschaftliche Produktivkraft. Hrsg. v. Elmar Altvater ...Münster: Westfälisches Dampfboot 1997. 350 S., DM 39,80 I sFr 35,80 I öS 290