„In Zeiten zunehmender Vernetzung, Internationalisierung, Globalisierung und weltweiter Abhängigkeiten haben sozial-inkompetente Menschen und soziale Systeme immer geringere Chancen. Es geht nicht nur darum, netter zu sein, sondern ums synegoistische Überleben“ (S.304). Der Schlußsatz von Michael Kastners Buch zeigt seinen Anspruch, mit Begriffen wie „Syn-Egoismus“ und „Soziale Kompetenz“ ein Konzept vorzustellen, das in einer Zeit, die immer schnellebiger und komplizierter wird, zu besseren sozialen Kontakten in Privatleben und Beruf verhelfen soll. Syn-Egoismus bezeichnet in Abgrenzung zu den Begriffen Egoismus und Altruismus ein vernunftorientiertes Verhalten, das den eigenen Vorteil genauso vor Augen hat wie den anderer Menschen. Der wichtigste Schlüsselbegriff ist in diesem Zusammenhang die Sozialkompetenz; diese ist eine Kombination der Fähigkeit zur sozialen Intelligenz (sich in Mitmenschen einfühlen und demnach zu handeln) und zur sozialen Verantwortung (etwas für andere in deren Interesse tun).

In der Folge geht der Autor auf eine Reihe von Begriffen ein, die die Entwicklung von Sozialkompetenz fördern können: Vertrauen, Offenheit und Ehrlichkeit sind nur einige Beispiele dafür. Themen wie Teamwork oder diverse Arten der Kommunikation sind ebenso Teil der Sozialkompetenz wie die Krisenbewältigung. Jeder der zahlreichen Faktoren wird ausführlich beschrieben und durch Merksätze und praktische Beispiele aus der Erfahrungswelt des Autors unterstrichen.

Kastner gibt viele Hinweise darauf, auf welche Faktoren man bei der Einschätzung von Menschen achten sollte. Er beschreibt diverse Typen, um auf diese Weise vor allem in beruflicher Hinsicht deren Einsatz bei geeigneten Aufgaben zu erleichtern. Hauptsächlich geht es jedoch darum, durch sozial kompetentes Verhalten und Selbstmanagment die eigene Handlungsweise so zu gestalten, daß sich dadurch die Beziehungen zu anderen Menschen positiver gestalten. Einschränkend muß jedoch gesagt werden, daß es kein Patentrezept gibt und besonders die Fähigkeit zur sozialen Intelligenz genetisch festgelegt und Sozialkompetenz daher nur bedingt erlernbar ist.

Mit „Syn-Egoismus“ wird in diesem Buch ein Schlagwort geschaffen, das sicherlich Anregungen zur Verbesserung der sozialen Kontakte im beruflichen und privaten Leben bieten kann. Das Versprechen, das der Titel des Buches gibt, kann jedoch kaum gehalten werden; die vielen Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, machen eine Umsetzung in die Praxis schwierig. Das Konzept besteht aus zu vielen einzelnen Komponenten, die nicht alle auf einmal berücksichtigt werden können. Auch die zusammenfassenden Merksätze können an diesem Umstand nicht wirklich etwas ändern, da ihre große Anzahl so manche Lernwillige abschrecken dürfte. C. H.

Kastner, Michael: Syn-Egoismus. Nachhaltiger Erfolg durch soziale Kompetenz. Unter Mitwirkung von Werner Bartens. Freiburg (u. a.): Herder, 1999. DM 39,80 / sFr 37,- / öS  291,-