Der erste Teil des Buches gibt - gestützt auf empirische Untersuchungen der Universität Köln - einen Überblick über die Wertvorstellungen von Jugendlichen. Dabei tritt ein äußerst komplexes System zutage. Lebensziele, Lebensentwürfe und Lebenszufriedenheit sind nur einige der untersuchten Aspekte. Interessant ist vor allem die Selbsteinschätzung und -einordnung der Jugendlichen im etablierten Wertesystem. Im- weiteren werden die Phasen der primären und der sekundären Sozialisation analysiert. Hier spannt sich der Bogen von der Familie, in und mit der die Jugendlichen aufwachsen, über die verschiedenen Erziehungsstile und das erste soziale Engagement außerhalb dieser "kleinsten Zelle des Staates" bis zur schulischen Ausbildung und zum Eintritt in die Arbeitswelt bzw. die Arbeitslosigkeit. Auch Motivation, Formen und Ausmaß politischer Partizipation, deren Ursa-  chen in der Biographie des einzelnen werden anschaulich dargestellt. Der schwindende Einfluß von Religion und Kirche auf Jugendliche, die Auswirkungen, die sich daraus für Akzeptanz und Vermittelbarkeit ethischer und moralischer Grundsätze ergeben, finden gleichfalls breiten Raum. Vor allem die Kommentare der beiden Theologen Roos und Seitz (sie nehmen das letzte Drittel des Buches ein) gehen ausführlich auf diese Problematik ein. Sie orten durchaus eine Chance für die Kirchen (evang. u. kath.), um " ... der Jugend von heute ihre keineswegs ‚überholte' religiöse Wahrheit und ethische Weisung mit neuer Zuversicht zu vermitteln". Ein Ergänzungsband, Tabellen und Methoden, erschien unter Mitarbeit von Therese Walter und Andree Helminger ebenfalls beim Verlag Leske + Budrich. Er bietet ausführliche Erläuterungen zu den Daten des Buches. M. T

Schmidtchen, Gerhard: Ethik und Protest. Moralbilder und Wertkonflikte junger Menschen. Opladen: Leske + Budrich, 1992.354 S., DM 36,- / sFr 30,50/ öS 280,80