Umweltverschmutzung und Arbeitslosigkeit, die es im Realsozialismus nicht geben konnte, weil es sie nicht geben durfte, zeigen jetzt erst ihr erschreckendes Ausmaß. Hinzu kommen Probleme bei der Entwicklung zu demokratischen Zivilgesellschaften. Zehn Autorinnen analysieren diese Phänomene am Beispiel der ehemaligen DDR und Sowjetunion, Polen, der CSFR und Ungarn. Im Hinblick auf die Umweltsituation in Osteuropa wird festgestellt, dass der wirtschaftliche Abschwung kurzfristig zu einer gewissen ökologischen Entlastung geführt hat. Andererseits ist das gegenwärtige Klima für den Umweltschutz sehr ungünstig: In Polen wäre die Stilllegung extrem belastender Produktionsstätten - etwa ein Drittel aller Betriebe - notwendig, was aber politisch undenkbar ist. Nicht nur in Katowice will die Belegschaft lieber unter lebensgefährlichen Bedingungen arbeiten, als arbeitslos sein. Am Beispiel Bulgariens wird auf die dort entstandenen Umweltprotestgruppen eingegangen, die in-   20 zwischen fast durchwegs den Kontakt zur Basis verloren haben. So ist die Grüne Partei aufgesplittert, ein Großteil nicht ins Parlament gewählt, und auch „Ekoglasnost" in zwei Teile gespalten. Anders in Ungarn, wo ein führendes Mitglied des Widerstands gegen ein atomares Endlager mit einem Erdrutschsieg ins Parlament gewählt wurde. Insgesamt erschweren ein erst mangelhaft funktionierendes Wirtschaftssystem und noch instabile demokratische Strukturen die ohnehin großen Sanierungsaufgaben. Als Voraussetzung für den nachholenden Modernisierungsprozess wird u.a. die Etablierung sozialpolitischer Sicherheiten genannt, um die wirtschaftlichen Härten abzufedern, die mit der politischen Umstrukturierung entstehen. Im globalen Interesse am Erfolg der Modernisierungsbemühungen liegt für die Länder Osteuropas die Chance, citizenship nicht erst, wie in England, nach 200 Jahren, sondern in relativ kurzer Zeit zu verwirklichen. AA 

Modernisierung nach dem Sozialismus. Ökologische und ökonomische Probleme der Transformation. Hrsg. v. Sylke Nissen. Marburg: Metropolis-Verl., 1992.237 S., (Ökologie und Wirtschaftsforschung; 5), DM 29,80/ sFr 25,30 / öS 232,40