Die Autoren versuchen in diesem zweibändigen Werk zu belegen, daß ",ökologische Probleme' in erster Linie solche der sozialen Organisation, der Abhängigkeiten, Institutionen, Entscheidungsprozesse und Machtverteilungen sind". Darüber hinaus ist es zentrales Anliegen, mögliche Wege in Richtung zukunftsfähige und demokratische Gesellschaft aufzuzeigen. Der erste Band hat die Ebenen Weltgesellschaft, Europa und Deutschland zum Inhalt. Der Soziologe Bernd Hamm (Universität Trier) macht darin deutlich daß die Belastung der natürlichen Ressourcen ("ökologische Krise") untrennbar mit ökonomischen Prozessen ("ökonomische Krise") und sozialen Beziehungsmustern ("gesellschaftliche Krise") verwoben ist. Anschließend zeigt er mit treffenden Argumenten und Fakten, warum die sozialen Institutionen in Wirtschaft, Politik, Kommunikation und Soziales wenig geeignet sind, einen Wandel herbeizuführen. In einem Zukunftsszenario "Status quo" wird die Brisanz institutionalisierter Tatenlosigkeit in Bezug auf die allenthalben angemahnte Kurskorrektur deutlich. ”Reformansätze von oben nach unten" sind, so der Autor, nicht zu erwarten, auch sei es müßig, auf den Staat, die Marktkräfte oder auf den Bewußtseinswandel zu warten. "Es wäre richtig, selbst mit dem Wandel zu beginnen, ihn in die eigenen Hände zu nehmen. " Diesem Aspekt widmen sich Bernd Hamm und der Geograph Ingo Neumann im zweiten Band, der unter ökologischer, sozialer und planerisch-politischer Perspektive untersucht, wie Regionen, Städte und Gemeinden zur Lösung der globalen Krise beitragen können. Gefragt wird "nach den globalen Determinanten lokaler Entwicklung, nach den strukturellen Regelmäßigkeiten dieser lokalen Entwicklung und ihren Konsequenzen, nach den voraussehbaren Zukunftsentwicklungen und möglichen Alternativen". Anhand dreier Szenarien (Status quo, garantiertes Grundeinkommen, zukunftsfähige Entwicklung) werden absehbare Zukünfte erörtert, wobei dem Szenario "Sustainable Development", das auf Ressourcenschonung, Grundsicherung und Selbstorganisation basiert, die interessantesten Potentiale zugetraut werden. Zahlreiche Modelle, "die sich unabhängig von staatlicher Politik und oft auch der formellen Ökonomie seit den siebziger Jahren entwickelt haben", zeigen, wie vorhandene Handlungsspielräume genutzt werden können. Immer wieder seien es kleine, flexible Netze die - gerade auch in Zeiten der zum Dogma erhobenen Globalisierung erfolgreich sind. A. A.

 

Hamm, Bernd: Struktur moderner Gesellschaften. Opladen: Leske + Budrich, 1996. 505 S. (Ökologische Soziologie; 1)

Hamm, Bernd; Neumann, Ingo: Siedlungs-, Umwelt- und Planungssoziologie. Opladen: Leske + Budrich, 1996. 432 S. (Ökologische Soziologie, 2) je DM/sFr 29,8O/öS 232,50