Lina Eichler, Henning Jeschke, Jörg Alt

Lina Eichler et al.: Die letzte Generation

Ausgabe: 2024 | 1
Lina Eichler et al.: Die letzte Generation

Kaum eine politische Bewegung der Gegenwart sorgt für so viel Gesprächsstoff wie die „Letzte Generation“. Diese Gruppe von Menschen, die durch drastische Aktionen – bekannt vor allem das Blockieren von Straßen – Aufmerksamkeit auf die Klimakrise zu lenken versucht, kommt in diesem Buch  zu Wort. Genauer gesagt hören wir drei Menschen zu, die die gesellschaftliche Breite der Gruppe zeigen sollen. Wir erfahren, warum sich Jörg Alt, Ordenspriester in einem Jesuitenorden und seit vielen Jahren in der Entwicklungsarbeit aktiv, für die Letzte Generation engagiert. Wir hören von Lina Eichler, die die Schule abbrach, um sich den Klimaprotesten zu widmen. Und wir erfahren, was Henning Jeschke dazu brachte, die „Letzte Generation“ mitzugründen.

Exemplarisch kann die Passage über die Gedanken gelesen werden, die Jörg Alt mobilisierten: „Denn diese Krise ist anders als alle anderen zuvor. In dieser Krise geht es nicht um eine Sache, einen Aspekt, eine Form der Ungerechtigkeit, die man ändern und beenden könnte. In dieser Krise geht es um das Überleben der Menschheit schlechthin. Zugleich läuft uns die Zeit davon, das drohende Szenario aufzuhalten. Und? Was bedeutet das für mich? Für Jörg Alt bedeutet es, den nächsten Schritt zu gehen. Er beteiligt sich im Sommer 2022 an einer jener Straßenblockaden, gegen die er in den Monaten zuvor in den Diskussionen mit den Menschen der Letzten Generation entschieden gewettert hat“ (S. 113). Die Schlussfolgerung aus der existenziellen Krise ist für die Letzte Generation, dass man Bildung und Aufklärung brauche. Man müsse den Notstand verstehen, in dem sich die Erde befinde. Dann müsse

jeder sein individuelles Verhalten umstellen, individuelle Beiträge leisten. Weiterhin seien soziale Proteste wichtig, deren Wirkungen von den Autor:innen so beschrieben wird: „Ein Feueralarm muss unignorierbar sein. Muss alles, was man gerade tut, unterbrechen. Nur dann leistet der Feueralarm, was er leisten muss“ (S. 169).

Ein Systemwechsel sei unbedingt nötig, es brauche neue Gesetze vor Ort aber auch neue nationale und internationale Anstrengungen, Kooperationen und Übereinkünfte. Dazu benötige man auch eine Ergänzung der parlamentarischen Demokratie: „Nach antiken und zeitgenössischen Vorbildern sollen ein sogenannter Gesellschaftsrat, dessen Mitglieder repräsentativ für die gesamte Bevölkerung ausgelost werden, die Richtungsentscheidungen und die notwendige Wende vorbereiten“ (S. 171).