Anlässlich eines Symposiums an der Universität Köln setzte man sich interdisziplinär mit Fragen der Risikoabschätzung und der Risikoakzeptanz in modernen Industriegesellschaften auseinander. Neben den naturwissenschaftlich-technischen Aspekten ging es dabei v.a. um die ethisch-moralische und gesellschaftspolitische Komponente. Risikofreies menschliches Leben ist nicht möglich. Die Frage muss also lauten, wieviel Risiko einer Gesellschaft bzw. jedem einzelnen zugemutet werden kann und '!'las die Lebensumstände gegenwärtiger und künftiger Generationen beeinträchtigen könnte. Wie so oft wird eine von Fakten getragene, emotionslose Diskussion (v. Amerongen) gefordert. Viele der Beiträge zeichnen sich in Folge aber eher durch Ignoranz kritischer Einwande aus. Als Grundproblem einer dicht besiedelten und von Technik geprägten Welt wird die Entsorgung der Abfälle, die radioaktive Verseuchung, die Änderung des Klimas und die Manipulation des Erbgutes angesehen. Mit C. C. v. Weizsäcker ist der Herausgeber der Ansicht, dass das Risiko einer Klimakatastrophe das Problem Nr. 1 der Zukunft ist. Zwar wendet er sich gegen einen Vergleich der Großtechnologien durch Vermischung von Schadenswahrscheinlichkeiten gesellschaftlich akzeptierter Risiken, hält aber dann die Atomenergie für ebenso vertretbar wie andere Technologien. Mehr noch: Für Ihn zeichnen sich radioaktive Abfälle durch besondere Entsorgungsfreundlichkeit aus. Auch die Folgen des Unfalls von Tschernobyl waren schließlich auffangbar. Gefordert wird ein „Risikomix", das neben der Option Atomspaltung die Kernfusion gegenüber der Solarwasserstofftechnologie favorisiert. Unter der Maske der Rationalität wird einmal mehr der "ganz normalen Katastrophe" das Wort geredet. 

Leben ohne Risiko? Hohlneicher, Georg (Hrsg.). Köln: Verl. TUV Rheinland, 1989.3165., DM 40,-/sFr 35,40 / öS 312