zf1Zukunftsforschung ist [„naturgemäß“ hätte Thomas Bernhard hinzugefügt] grenzüberschreitend, sowohl was ihre Themen als auch was ihre Darstellungsformen betrifft. Diesem Prinzip folgend, versammelt der einleitend vorgestellte Band in 22 Beiträgen wesentliche Informationen zum aktuellen  Stand der Zukunftsforschung (ZF) in Deutschland. Der erste Abschnitt “Einblicke” thematisiert Grundsätzliches, etwa unterschiedliche Zukunftsorientierungen in kultureller oder sozialer Perspektive, legt in Form einer Momentaufnahme dar, was Zukunftsforschung heute meint und wer sie anbietet, und wirft einen Blick auf ausgewählte Institutionen (besonders empfohlen sei das im Aufbau begriffene „Haus der Zukunft“ in Berlin).

In den anschließenden Ausblicken werden Zusammenhänge zwischen Zukunftsplanung, -forschung und -wissenschaft vermittelt (R. Popp), oder Potenziale der ZF als Bereicherung für die Politikwissenschaft ausgelotet (vgl. S. 190ff.). Ein Votum für die Wertschätzung „erzählter Zukünfte“ oder für mehr Pragmatismus in der ZF runden diesen Teil ab. Der dritte und letzte Abschnitt, Weitblicke betitelt, skizziert in sieben Beiträgen Herausforderungen und essenzielle Aufgabenbereiche für die ZF. Dazu zählen Standards wie etwa die Technikfolgenabschätzung (A. Grunwald), Nachhaltigkeit als Instrument „zukunftsfähiger Zivilisierung“ (E. Göll), Methodenmix als Grundlage strategischer Zukunftsorientierung, Interdisziplinarität (H. Dietz) oder, einmal mehr kompetent erörtert von Karlheinz Steinmüller, Science Fiction und ZF als ungleiche Geschwister der Antizipation. Julia Werner erörtert Potenziale des „Design Thinking“, und schließlich bringt Stefan Willer mit „Zukunftswissen, Zukunftsrede, Zukunftsmusik“ ZF als Kulturwissenschaft ins Spiel. Ein thematisch gehaltvoller und v. a. auch ästhetisch höchst ansprechender Band, der, wie ich meine, zu den wichtigsten Fachpublikationen der jüngsten Zeit zu zählen ist.

 Einblicke, Ausblicke, Weitblicke. Aktuelle Perspektiven in der Zukunftsforschung. Hrsg. v. Reinhold Popp … Wien: LIT-Verl., 2016. 393 S., 29,90 [D], 30,80 [A] ; ISBN 978-3-643-90663-2