25 Jahre Zukunftswerkstätten (ZW) und 10 Jahre Moderationsausbildung - viel Erfahrung also ist in diesen (in einschlägigen Kreisen) schon lange erwarteten Band eingeflossen. Wer das erste, bereits klassisch zu nennende Handbuch, von Robert Jungk und Norbert Müllert in erster Fassung 1981 und in überarbeiteter Version 1989 vorgelegt, zum Vergleich heranzieht, findet bestätigt, daß sich eine Methode selbstbestimmt-alternativer Problemlösung als Instrumentarium der Bildungsarbeit etabliert hat und in Theorie und Praxis zunehmend auf Aufmerksamkeit stößt. Gewerkschaften, Kirchen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Schulen, aber auch Unternehmen nützen das dialektisch strukturierte Drei-Phasenmodell, das hier - nach einer Einführung in Wirkungsweise, Einsatzspektrum, exemplarische Ergebnisse, Hinweisen zur geschichtlichen Entwicklung sowie Empfehlungen zur vorbereitenden Planung - anhand des wohl häufigsten Typus, der Wochenendwerkstatt, detailliert vorgestellt wird. Wer Neugier mit pädagogischem Geschick und v.a. mit Enthusiasmus für einen zugleich offenen und konkret handlungsorientierten Diskurs aller Beteiligten zu verbinden weiß, dem ist diese Fibel ein sicherer Wegweiser, um das Modell ZW erfolgreich zu gestalten. Beate Kuhnt und Norbert R. Müllert haben all ihr Know-how darauf verwandt, den niemals gesicherten, sondern situationsbedingt auch von Wagnissen und Überraschungen gekennzeichneten Verlauf einer ZW in all seiner Vielfalt vorzustellen: So sind die einzelnen Schritte und Phasen des Ablaufs - vom Kennenlernen der Gruppe bis zur Dokumentation und Auswertung - nicht nur chronologisch und mit Hinweisen zu Material und Dauer beschrieben, sondern im ausführlichen Anhang zudem in Form kopierfähiger Karteikarten zusammengestellt. So ist ein auf Praktikabilität und Ergänzbarkeit abzielender "Moderationsbaukasten " entstanden, der, angereichert um persönliche Erfahrungen, die Planung und Durchführung von ZW wesentlich erleichtern sollte. Hinweise zu Selbstverständnis und Rolle der Moderation, zur Dokumentation, zu Chancen wie auch Grenzen der Methode sowie zum aktuellen Stand der Professionalisierungsdebatte runden diese Fibel ab. Ihre Stärke liegt im beigegebenen Handapparat, ihre Schwäche wohl darin, daß sie so gut wie gar nicht auf weitere auch im Kontext von ZW mit Erfolg praktizierte Arbeitsformen (wie Metaplantechnik) eingeht. Das Postulat strikter" Einfachheit" sollte zumindest die Auseinandersetzung mit anderen vielfach sehr nützlichen Techniken nicht ausschließen. W Sp.

Zur vertiefenden Auseinandersetzung mit Fragen der Visualisierung und Moderation von Gruppenprozessen sei empfohlen: Ulrich Dauscher: Moderationsmethode und Zukunftswerkstatt. Neuwied (u.a.): H. Luchterhand, 1996.215 S. (Grundlagen der Weiterbildung) DM 48,-/sFr 45,80/öS 370.

 

Kuhnt, Beate; Müllert, Notbett R.: Moderationsfibel. Zukunftswerkstätten verstehen - anleiten - einsetzen Das Praxisbuch zur Sozialen Problemlösungsmethode Zukunftswerkstatt. Münster: Ökotopia Verl., 1996.231 S, DM 36,-/sFr 30,50/ÖS 280,80