"Mother Jones" ist nicht nur der Name jener couragierten Mary Harris Jones, die im Amerika der letzten Jahrhundertwende gelebt - und humorvoll resolut für die Rechte von Bergarbeitern, Stahlkochern, Straßenbahnschaffnern und Dienstmädchen gekämpft hat; Mother Jenes" ist vielmehr auch der Titel einer anspruchsvollen kritischen Monatszeitschrift, die seit 1976 in San Francisco erscheint. Einer Zeitung, die mit einer Auflage von inzwischen knapp zweihunderttausend Exemplaren sich zu einer zunehmend respektierten Instanz dafür entwickelt hat, was als heimliches Zauberwort in der kritischen Publizistikszenerie der Achtzigerjahre mit "Neue Kompetenz" umschrieben worden ist. Das Redaktionsteam der Zeitschrift, Durchschnittsalter Mitte Dreißig und gut zur Hälfte aus Frauen zusammengesetzt, beobachtet und reflektiert jene Mutationen der amerikanischen Gesellschaftsordnung, deren europäische Spielart die Alternativen und Grünen hervorgebracht hat. Doch zum Unterschied von diesen wurzelt das "Andere Amerika" - und mit dem beschäftigt sich der zweite Teil des vorliegenden Buches - im Humus christlicher und jüdischer Gesellschaftsutopien und in dem Erbe der in den Vereinigten Staaten gewichtigen religiösen Sekten. Der dritte und letzte Abschnitt des Buches ist den direkten Begegnungen des Autors mit all den verschiedenen kritischen Minderheiten gewidmet, zu denen auch die ethnischen Gruppen der nordamerikanischen Ureinwohner gehören. 

Gizycki, Horst v.: " Mother Jones" oder ein anderes Amerika. Kritische Minderheiten in den USA. Frankfurt! M.: Fischer, 1990. 223 S. (Fischer Sachbuch; 3541), DM 16,80/ sFr 14,90/ öS 131,80