Der westliche Wohlfahrtsstaat ist in gewohnter Form nicht mehr bezahlbar, überall wird daher mit mehr oder weniger Erfolg an den öffentlichen Verwaltungen herumreformiert, auch Kulturpolitik und Kulturförderung geraten unterzunehmenden Legitimierungsdruck, bisweilen auch unter die Räder. Die Kulturpolitische Gesellschaft Bonn veranstaltete zu dieser Problematik Mitte 1996 eine Tagung, in deren Folge nun dieser Sammelband herausgebracht wurde. Eine der Herausgeberinnen, die Münsteraner Politologin Annette Zimmer, analysiert einleitend verschiedene Ansätze von Kulturpolitik historisch und im internationalen Vergleich und prognostiziert, daß künftig das kulturelle Leben wohl weniger aus öffentlichen Fördertöpfen als vielmehr durch das Engagement kulturell interessierter Bürgerinnen finanziert werden wird; der Staat werde sich auf Rahmenbedingungen, "Monitoring" und das Bereitstellen einer professionellen Infrastruktur zurückziehen. Einige folgende Beiträge, die die Situation in den Niederlanden, in den USA und in Polen darstellen, belegen und illustrieren diese These.

Weitere Aufsätze widmen sich konkreten Zusammenhängen von Verwaltungsreform und Kulturpolitik. Der Mitherausgeber Bernd Wagner von der Kulturpolitischen Gesellschaft zeigt etwa durchaus Verständnis für die "neuen Steuerungsmodelle" des "New-Public-Management“, insistiert aber zugleich darauf, daß damit nicht einfach privatwirtschaftliche Grundsätze unreflektiert das Verwaltungshandeln bestimmen dürfen; insbesondere im künstlerischen Bereich sei eine "Erfolgskontrolle" nämlich überaus schwierig. Kerstin Schmidt berichtet über ein Projekt der Bertelsmann-Stiftung zu "wirkungsvollen Strukturen im Kulturbereich" zur Verbesserung der Steuerungsfähigkeit und Vergleichbarkeit von Kultureinrichtungen; konkrete Verfahren für die Kulturpolitik wie Leitlinienentscheidungen und Kontraktmanagement stellt am Beispiel Osnabrück Karin Detert-Weber dar. An weiteren Möglichkeiten präsentieren Ellen Lissek-Schütz anhand US-amerikanischer Praktiken Perspektiven des Kulturmarketings und Gerd Spiekermann Finanzierungsmodelle soziokultureller Zentren. Eine ganze Reihe weiterer Praxisberichte schildert verschiedene Formen ehrenamtlichen Engagements. Albrecht Göschel vom Deutschen Institut für Urbanistik schließt den Band mit Überlegungen zu Kulturpolitik als öffentliche Kulturverantwortung im Rahmen der Staatsziele Sozialstaat, Rechtsstaat und Kulturstaat.

Etliche Beiträge handeln die Problematik auf einem intensiven Reflexionsniveau ab, einige sind aber auch schlicht-technokratische Tätigkeitsberichte. Insgesamt aber ein guter Überblick über die aktuelle Diskussion zur Legitimation und Finanzierung staatlicher Kulturpolitik.


W R.

Krise des Wohlfahrtsstaates - Zukunft der Kulturpolitik. Hrsg. v. Bernd Wagner ... Bann (u. a.): Klartext-Verl., 1997. 268 S. (Ed. Umbruch; 11) DM 32,-/sFr 27,- / ÖS 250,-