Mit dieser Publikation liegt – so die Beschreibung des Verlags –  die „erste, bisher einzige Übersicht zu den wichtigsten kulturpolitischen Begriffen in Deutschland im internationalen Kontext vor“. Das ist einerseits kaum zu glauben, zum anderen aber – so die Beschreibung zutrifft – umso wichtiger und vor allem höchst an der Zeit, denn mit diesem notwendigerweise kursorischen und doch gehaltvollen Blick auf die Genese und aktuelle Praxis der Kulturpolitik in Deutschland erschließt sich ein wesentlicher, kaum genügend zu würdigender Aspekt der Entwicklung der Republik. Aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums kommt er gerade recht, zumal damit ein wesentlicher Aspekt der Entwicklung des Landes veranschaulicht und vor allem im europäischen und internationalen Kontext deutlich gemacht wird.

 

Mit gutem Grund nehmen die Autoren – primus inter pares ist Olaf Schwencke, ehemals Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender der Kulturpolitischen Gesellschaft, als Mitglied des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments heute als Hochschullehrer in Wien und Berlin einer der bedeutendsten Vordenker und Wegbereiter der Kulturpolitik in Deutschland – einschlägige Initiativen und Akzente auf europäischer Ebene in den Blick. So werden etwa die Bedeutung der Kulturkonvention des Europarates (1954), der Vertrag von Maastricht (1992) oder die „Europäische Kulturagenda“ (2007) besonders hervorgehoben, zugleich aber auch maßgebliche kulturpolitische Entwicklungen und Akteure auf Ebene der Kommunen, der Länder – auffallend viele Initiativen in Nordrhein-Westfalen – sowie des Bundes patentiert und anschaulich dargestellt. An die 160 Stichworte – von „Agenda 21 für Kultur“ und „Akademie der Künste“ über „Dialog der Kulturen“, „Kreativwirtschaft“ und „Kulturelle Bildung“ bis hin zu „Plädoyers für eine neue Kulturpolitik“, „Subkulturen“, „ Weltkulturerbe-Konvention der UNESCO“ und „Zentrum für Kulturforschung“ – stecken das Feld ab und laden dazu ein, es gewissermaßen flanierend zu erkunden, wobei selbstverständlich weiterführende Literaturhinweise zu vertiefenden Studien einladen.

 

Eingeleitet wird die Sammlung, die sich an Studierende, JournalistInnen und KulturpolitikerInnen, grundsätzlich aber an alle an Fragen der Kulturpolitik Interessierte (und keineswegs nur ein Experten) wendet, durch den „Abriss einer Ideen-Geschichte der Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland“. Olaf Schwencke wirft darin auf knapp 30 Seiten unter dem Titel „Staatsziel Kultur“ nicht einen Blick auf die letztlich offene Frage nach der Bestimmung des Begriffs „Kulturpolitik“, sondern macht vor allem deutlich, welchen Wandel – in Summe zum Positiven [!]– das Verhältnis von „Kultur“ und „Politik“ im Verlauf von 60 Jahren genommen hat. Wurde Kultur in der Nachfolge des nationalsozialistischen Traumas, so der Autor, bis in die siebziger Jahre „mehr verwaltet, denn gestaltet“, in der Ära Willi Brandts – und federführend initiiert von Persönlichkeiten wie Hermann Glaser und Hilmar Hoffmann – als maßgeblicher Aspekt bürgerschaftlichen Selbstverständnisses und demokratischer Mitbestimmung verstanden und aktiv gefördert, so wird die Bedeutung von Kultur heute zunehmend auch im Kontext Nachhaltiger Entwicklung diskutiert. Dass ihr vor allem in Hinkunft in Anbetracht der ethnischen Vielfalt Europas eine Schlüsselrolle zukommt, steht nicht nur für Olaf Schwencke außer Zweifel. Sich dem Thema daher neugierig und (Konrad Paul Liessmann, in: Keine Wissenschaft für sich, S. 107) vorbehaltlos zu beschäftigen, liegt in Kenntnis dieses Bandes in doppelter Hinsicht nahe. W. Sp.

 

Schwencke, Olaf; Bühler, Joachim; Wagner, Marie Katharina: Kulturpolitik von A – Z. Ein Handbuch für Anfänger und Fortgeschrittene. Berlin: Siebenhaar-Verl., 2009. 164 S., € 19,80 [D], 20,40 [A], sFr 34,65

 

ISBN 978-3-936962-41-3