Seit der "Wende" stagniert die (Auswärtige) Kulturpolitik Deutschlands: nicht nur, weil weniger Finanzen zur Verfügung stehen, sondern auch, weil offenbar eine große Unsicherheit über ihre Aufgaben in einer grundlegend veränderten Welt besteht.

Hilmar Hoffmann, nach seinen aktiven Jahren als Frankfurter Kulturchef nun Präsident des Goethe-Instituts und Kurt-Jürgen Maß, stv. Generalsekretär der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, gewannen insgesamt 26 Autoren aus dem In- und Ausland, Beiträge für eine neue Standortbestimmung zu leisten, was eine nach Umfang und Gewicht recht unterschiedliche Palette ergab. In einem ersten Teil werden Stellungnahmen zur Frage "Was wir versäumt haben" versammelt. Autoren wie Hoffmann selbst, Hildegard Hamm-Brücher, Gerhard Schröder u. a. kritisieren, daß auswärtige Kulturpolitik sich immer mehr auf die Vermittlung eines möglichst positiven Bilds von Deutschland und Sprachkurse verengt, während Prinzipien wie Offenheit, Pluralität, Begegnung und Austausch der Kulturen in den Hintergrund treten. Eine Artikelgruppe untersucht, was Kunst in diesem Zusammenhang leisten kann; eine nächste befaßt sich mit Perspektiven für die Goethe-Institute. Weitere Beiträge urgieren Offenheit für Afrika und die Kulturen des Südens überhaupt drei Artikel diskutieren Möglichkeiten für eine partnerschaftliche Wissenschaftspolitik, vier Autoren (darunter Arend Oetker und Edzard Reuter) erörtern die Beziehungen zwischen Wirtschaft und Kultur im Ausland.

Abschließend geben ausländische Autoren Ratschläge aus europäischer, japanischer, jüdischer, osteuropäischer und US-amerikanischer Sicht. Da in den Beiträgen wiederholt auch grundsätzliche Haltungen kultureller Begegnung thematisiert werden, gewinnt das Buch Relevanz über den deutschen Blickwinkel hinaus.

WR. 

Freund oder Fratze? Das Bild von Deutschland in der Welt und die Aufgaben der Kulturpolitik. (Hrsg.) v. Hilmar Hoffmann Frankfurt/M. (u.a.): Campus, 1994. 2005., DM I sFr 29,80 I ö5 233,