Die Journalistin Mira Beham analysiert hier die Problematik von Journalismus in Kriegszeiten und zeigt darüber hinaus auf, inwieweit Medien, Politik und Militär seit Mitte des letzten Jahrhunderts ein unglückliches Beziehungstrio bilden. "Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit" lautet Behams These, die sie anhand zahlreicher Beispiele - von den Anfängen der Kriegsberichterstattung bis hin zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien - zu verifizieren weiß. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Kampf um den auflagensteigernden Knüller "zwingender Bestandteil eines Reporterlebens", so Beham. Durch die dann einsetzende Dynamisierung und Verbreitung der Öffentlichkeit im Zuge der politischen Demokratisierungsprozesse entwickelte sich die Presse schließlich zu einem starken Mittel der politischen Meinungs- und Willensbildung. Die Erfindung des Telegrafen ermöglichte in diesem Zusammenhang nicht nur die "sprunghafte Demokratisierung des Wissens" über den Krieg, sondern führte auch zu einer totalen Kommerzialisierung der Kriegsberichterstattung auf Kosten der adäquaten Information. "Telegrafieren Sie alle Nachrichten, die Sie bekommen können, vollständig durch, und wenn es keine Nachrichten gibt, dann schicken Sie Gerüchte", empfahl Wilbur F. Storey von der Chicago Times im Sezessionskrieg seinen Journalisten vor Ort. Heute sieht Mira Beham die nüchterne Faktenvermittlung nicht nur durch konkurrierende Zeitungen oder Fernsehanstalten gefährdet; der Versuch der Politik, Einfluß auf Medien zu nehmen, und damit auf die Bevölkerung, hat im 20. Jahrhundert, auch durch die neuen Kommunikationstechnologien, ganz andere Dimensionen angenommen. Anhand der Berichterstattung während des Golf- und des Balkankrieges illustriert die Autorin, mit weichen subtilen Mitteln die amerikanische sowie die kroatische Regierung die Medien für ihre Interessen gewinnen konnten. In Zusammenarbeit mit PR-Agenturen wurden falsche Informationen den Medien zugespielt, um die Weltöffentlichkeit für die jeweiligen Interessen gewinnen zu können. "Die Wahrheit über Kriege", so das Fazit Behams, "erfährt man erst, wenn sie vorbei sind, nämlich dann, wenn die Propaganda-Apparate aufgehört haben zu arbeiten und die politischen und militärischen Ziele erreicht sind." Um Manipulation und Desinformation entgegenzuwirken, rät Beham einerseits zu ausführlicher Medienerziehung in den Schulen: "Medienkompetenz und Kritikfähigkeit im Umgang mit Informationen sind unzweifelhaft zwei Eigenschaften, die vor manchen Manipulationen schützen." Von den Journalisten fordert sie Genauigkeit: "In jedem Krieg sollte der Journalist sich bemühen, seine Story von allen Seiten zu beleuchten; wichtiger als alles andere ist, bei den Fakten korrekt zu sein." M. K.

Beham, Mira: Kriegstrommeln. Medien, Krieg und Politik. München: DTV, 1996. 260 S.