Kurzweil, vielfach ausgezeichneter Computerwissenschaftler am MIT und erfolgreicher Erfinder und Unternehmer, veröffentlichte 1990 „The Age of Intelligent Machines", das inzwischen schon in 3. Auflage vorliegt und zahlreiche Preise erhalten hat. Endlich gibt es nun auch eine deutsche Ausgabe dieser umfassenden Gesamtdarstellung einer der aufregendsten Entwicklungen innerhalb der Computertechnik, der "künstlichen Intelligenz" (KI). Ein erster Teil diskutiert die philosophischen, mathematischen und psychologischen Grundlagen und gibt eine kompakte Übersicht über die Geschichte der mechanischen und der elektronischen Rechner. Ein zweiter Teil schildert die breitgefächerten Bereiche, in denen KI schon heute zur Anwendung kommt: Mustererkennung, Parallelverarbeitung, Sehsysteme, Sprachsynthese und -erkennung, Expertensysteme, computergestütztes Design (CAD) und Roboter, Anwendungen in den Künsten, im Bildungswesen usw. In einem dritten Teil schildert Kurzweil, welche KI-Entwicklungen er etwa im kommenden Jahrzehnt erwartet: Computer als Entwerfer und Konstrukteure, das übersetzende Telefon, den Computer als "intelligenten Assistenten" und kommenden Schachweltmeister, intelligente Anrufbeantworter, kybernetische Chauffeure, unsichtbare Kreditkarten und Schlüssel u.v.a. Mit Überlegungen zu den Auswirkungen dieser intelligenten Maschinen auf Arbeitsmarkt und Wirtschaft, auf das Bildungswesen und die Künste, auf die Medien, die Politik und das Militär, auf Medizin und Sozialwesen und schließlich auf das Selbstbild des Menschen schließt die Darstellung. Eine Zeittafel, ein Glossar, eine umfangreiche Literaturliste und sorgfältige Register runden den gewichtigen und mit zahlreichen, überwiegend farbigen Illustrationen und Fotos opulent ausgestatteten Band ab. Anders als vieles, was zu diesem Thema zu lesen ist, gibt sich Kurzweil keinen oberflächlichen technologiegläubigen Spekulationen hin, sondern stellt die KI, die vielleicht eine ähnliche historische Umwälzung auslösen wird wie die Erfindung des Buchdrucks oder die Einführung der Massenproduktion, auf einem ihrer Bedeutung angemessenen differenzierten Niveau und im historischen, gesellschaftlichen und philosophischen Kontext dar. Insgesamt wohl das beste gegenwärtig verfügbare Werk über KI. Wenn der Ausdruck irgendwo berechtigt ist, dann hier: ein Standardwerk. W R.

Kurzweil, Raymond: KI. Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. München (u.a.): Hanser, 1993. 522S., DM 98,- / sFr 83,- / ÖS 764,40