"Alles ist ungenau bis zu einem gewissen Grad, den man erst bemerkt, wenn man versucht hat, etwas genau zu machen", sagt Bertrand Russell. Vielleicht erklärt dieser Satz die Entwicklung von" Fuzzy-Logik", die Bart Kosko als neue Weltanschauung bezeichnet, die alle Bereiche von Wissenschaft, Philosophie und Geschichte betrifft und durchdringt. Fuzzy-Logik setzt der abendländisch-aristotelischen Logik, die auf Zweiwertigkeit aufgebaut ist, die Vielwertigkeit gegenüber, die sich, so Kosko, philosophiegeschichtlich auf Buddha und andere fernöstliche Denktraditionen zurückführen läßt. Das „fuzzy-logische " Prinzip besagt sehr vereinfacht, daß alles eine Frage der Abstufung ist, daß kein Problem nur in Kategorien wie "ja" und "nein" gedacht werden kann, sondern zwischen diesen beiden Polen eine ungeheure Anzahl von Zwischenstufen existiert. Moderne Fuzzy-Logik-Konzepte haben ihre Ausprägung in den sog. "neuronalen Netzen" gefunden, also in einem Versuch, die Denkvorgänge des menschlichen Gehirns mit Hilfe der Technik zu simulieren. Bart Kosko ist einer der wichtigsten Vertreter dieses Denkens in den USA, und er schildert die Geschichte dieser Logik als spannenden Erkenntnisprozeß. Nach einem erhellenden Blick auf die Gegenwart sieht der Autor die "fuzzige Zukunft" voller "schlauer Geräte", die das menschliche Gehirn in seiner Leistungsfähgikeit bereits überflügelt haben. Aber nicht nur das: "Fuzzy-Logik" wird auch unsere Sichtweise vieler Probleme, sogar unsere Ethik und Moral verändern. Denn „fuzzy-logische" Regeln können nach Kosko auch ethisch-moralische Prinzipien integrieren. Diese Darstellung von "Fuzzy-Logik" ist lediglich technisch faszinierend. Wenn Kosko hingegen wünscht, daß in Zukunft auch ethische oder politische Entscheidungen von entsprechend programmierten Computern getroffen werden sollen, dann schlägt diese Faszination in Betroffenheit um. Und besonders betroffen macht, daß hier einmal mehr der Versuch gemacht wird, technisch elegante Modelle als probates Mittel elitärer Gesellschaftsveränderung einzusetzen. J P.

Kosko, Bart: fuzzy-Iogisch. Eine neue Art des Denkens. Hamburg, Carlsen: 1993. 352S., DM 39,90 / sFr 34,80/ öS 311,20