Einem breiten Ökologiebegriff und allgemein verständlicher Darstellung verpflichtet, deckt auch dieses, nunmehr bereits zum vierten Mal erschienene Jahrbuch in 33 Beiträgen (und sechs Abschnitten) ein weites Spektrum der aktuellen Umweltdebatte ab. Im einleitenden Perspektiven-Teil kommt Ulrich Beck unter dem Titel "Ökologischer Machiavelisrnus" auf den an anderer Stelle (vgl. Nr. 45) umfassend erörterten Wandel der Politik zu sprechen, wird von Ch. Gräfe die objektivierbare Umweltangst der Kinder als Moment der Zukunftssicherheit interpretiert, und plädiert E. Brown-Weiss für einen ökologischen Generationenvertrag. Die Aspekte „Artenvielfalt" und "Stoffströme" eröffnen die insgesamt fünf Schwerpunktthemen des Bandes, wobei ich im ersten Bereich M. Succows Hinweis auf den "Sozialfall Landschaft" - 22% des Bundeslandes Brandenburg sind Brachland und die Anregung zur Etablierung von" Biosphärenparks" hervorheben möchte. Als Bemessungsgrundlage einer dematerialisierten Ökonomie verdient zudem der Beitrag von Fr. Schmidt-Bleeks besondere Beachtung, der objektivierbare Kriterien der Materialbzw. Flächenintensität pro Dienstleistungseinheit zur Diskussion stellt.

Dass Umweltschutz in der Rezession nicht Luxus, sondern, im Gegenteil, ein probates Mittel zur Überwindung der Wirtschaftskrise darstellt, belegen im folgenden u.a. überzeugende Argumente E.U. v. Weizsäckers. Grundlegende, nationale, europäische und globale Aspekte einer "Umwelt-Verfassung" werden in einem weiteren Abschnitt erörtert, ehe zum Abschluss dieses Kapitels Möglichkeiten und Grenzen der "Umweltwahrnehmung" thematisiert werden. (Beeindruckend hier v.a. B. Mettler-Meibohms Ausführungen über den Wandel des Medienbegriffs und die Reduzierung menschlicher Empfindungsfähigkeit im Zuge der technischen Entwicklung.) In der schon bewährten Arena des "Disputs" streiten H. Michel (ungemein fortschrittsgläubig und verharmlosend), W.-M. Catenhusen (skeptisch-differenzierend) und R. Kollek (kritisch-ablehnend) über das Für und Wider der Gentechnik. Abschnitte zur Umweltgeschichte, überwiegend konkrete Handlungsperspektiven unter dem Titel "Exempel, Erfahrungen, Ermutigungen" und in der Tat düstere Befunde einer "Spurensuche" zu CO2-Ausstoß in der BRD und Wasserverbrauch in Hessen beschließen den Band. Er erfüllt einmal mehr die an diese Reihe zu Recht gestellten hohen Erwartungen. WSp. In gleicher Aufmachung erschienen: Jahrbuch Dritte Welt 1994, hrsg. v: Joachim Beltz und Jahrbuch Frieden 1994, hrsg. v. HanneMargret Birckenbach ... 


Jahrbuch Ökologie 1994. Hrsg. v. Günther Altner ... ..  München; Beck, 1993. 324 S. (Beck'sche Reihe 1027) DM 24,-/sFr 22, 10/ÖS 187,-