Zunehmendes Problembewußtsein und darauffolgende politische Maßnahmen haben den weltweiten Schwierigkeiten lediglich die Schärfe genommen; technologische Lösungen zur Überwindung der Krise reichen nicht aus. Für Laszlo ist unsere heutige Situation vor allem Manifestation innerer Ursachen. Die äußeren Grenzen unseres Planeten sind abhängig von den inneren Grenzen unseres Denkens und in Folge dessen unseres Handelns.

Der Mitbegründer des Club of Rome unterscheidet psychologische, kulturelle und politische Grenzen. "Dazu gehören soziale Diskriminierung, Rassismus, wirtschaftliche Ungerechtigkeit, politische Repression und Totalitarismus, Folter und Terrorismus, Unterernährung und Arbeitslosigkeit, erschreckende Gräben zwischen Reich und Arm als auch zwischen Stadt und Land, das weltweite Wettrüsten, das Wuchern nuklearer Waffen, nuklearer Technologien und nuklearen Materials. eine bedenkliche Schieflage der Weltwirtschaft, Analphabetentum und Unwissenheit ... " Die inneren Grenzen psychologischer Natur sieht Laszlo in der "Verhärtung von Grundsatzfragen" menschlicher Werte, Glaubensüberzeugungen und Verhaltensweisen.

Im kulturellen Bereich treten sie als Schwund von positiven Leitbildern und Vorstellungen über die Zukunft der menschlichen Gesellschaft auf. Die politischen Grenzen sieht er im Versagen globaler Zusammenarbeit. Wir leben heute in einer Übergangszeit. Die Moderne mit ihrem unbedingten Wachstums- und Machbarkeitsglauben ist in die Sackgasse geraten. Das Neue will einfach noch nicht greifbar werden. Das zeigt sich auch im Widerwillen, neuen Realitäten zu erlauben, althergebrachte Konzeptionen über die Verwirklichung von Idealen zu verändern. Die Menschheit muß, so Laszlo, anfangen zu agieren, anstatt wie bisher nur zu reagieren. Es geht darum, positive Visionen zu entwickeln, die ständig der Zeit und den Umständen angepaßt werden müssen. Die Geschichte bezeugt die Anpassungsfähigkeit an neue Wertvorstellungen. Die Moderne ist genauso wenig letztgültiger Ausdruck der menschlichen Natur wie dies in den Epochen der Vergangenheit der Fall war.

Laszlo schreibt nicht nur eine Reihe von Versäumnissen nieder, sondern bietet auch einen Katalog der Einsichten, in denen Wertvorstellungen wurzeln müßten. Er kommt zu dem Schluß, daß nur durch globale Partnerschaft und globale Ziele Unsicherheit, Hunger, Energie- und Ressourcenknappheit, wirtschaftliche Stagnation und der Graben zwischen Arm und Reich überwunden werden können. Darüber hinaus unterbreitet er konstruktive Vorschläge in Form von Grundregeln für die menschlichen Strebens und Grundregeln für die Wechselbeziehungen von Völkern und Nationen. Der erste Schritt zur Veränderung ist aber die Bewußtwerdung der eigenen inneren Grenzen. Die Menschen müssen erkennen, "daß das, was falsch läuft, mit unseren Werten und Verhaltensweisen zu tun hat". Nur durch diese Einsicht kann eine wünschenswerte Zukunft sichergestellt werden.

Der Aufruf zum Nachdenken und Erforschen der individuellen Psyche hält mit Vorschlägen zur Lösung der Weltprobleme bewußt zurück. Laszlo will nicht, daß sich der Leser utopischen Phantasien hingibt, sondern selbst handelt im Sinne einer neuen humanistischen Revolution. Ein Buch, das jeden einzelnen auffordert, erwachsen zu werden.

Laszlo, Ervin: Die inneren Grenzen der Menschheit. Ketzerische Überlegungen zur gegenwärtigen Ethik, Kultur und Politik. Rosenheim: Horizonte Verl., 1988. 125 S. DM 15,-/sfr 12,70/öS 117,-