Das DIFF legt als Frucht mehrjähriger interdisziplinärer Vorarbeit eine umfassende Publikationsreihe vor, die "ganzheitliche“ Problemsicht anstrebt und als "praktische Orientierungshilfe für Bewohner und Planer" zum "angeleiteten Selbststudium" gedacht ist. Das Gesamtkonzept umfaßt ein Einführungsheft und sieben Studieneinheiten. Der Rahmen, in dem sich mehr oder weniger alle Beiträge bewegen, läßt sich in etwa so umreißen: Es steht schlecht um das Dorf - vor allem aufgrund seiner politischen, ökonomischen, soziokulturellen "Enteignung aus der nicht selten Resignation und Apathie resultieren. Es steht (oder stand bis vor kurzem) schlecht um die Dorferneuerung als staatliches Förderungsprogramms in der BRD (insbesondere betreffend die Komponenten Soziokulturelles, Immaterielles und Bürgerbeteiligung). Aber auch hinsichtlich wissenschaftlicher Aufarbeitung der Dorf-Thematik herrscht Nachholbedarf: Forschungen zu soziokulturellen Fragen fehlen, die Zusammenarbeit Soziologie - Dorfentwicklungsplanung ist gering. Und es steht schlecht um Gesellschaft und Welt im Allgemeinen, denn die lokal auftretenden Probleme sind überwiegend nicht lokal bedingt, was für die Problembewältigung bedeutet, daß sie nur im Dorf allein kaum zu leisten ist. Über die Feststellung der Misere. und die Klage darüber finden sich praktische Arbeitsanweisungen für konkrete Maßnahmen. Im weitgespannten Kreis der Beiträge sind die verschiedensten akademischen Disziplinen ebenso vertreten wie die praktische Bildungsarbeit. Was inhaltliche Erschließung und Aufbau anlangt, sind alle Hefte vorbildlich gestaltet. Die Ausstattung mit Bild und sonstigem Material ist verschwenderisch reich.

Hingegen scheint der Anspruch auf "angeleitetes Selbststudium“ nicht durchwegs befriedigend eingelöst. Explizite Lernzielangaben zu Beginn und Ende der Kapitel sollen dazu anhalten, "das erworbene Wissen zu überprüfen Viele von ihnen zwingen jedoch nur zur Wiederholung, andere gehen über das bisher Erarbeitete hinaus. Zu fragen wäre vielleicht auch, ob im einen oder anderen Beitrag nicht eher die" Planer" als Adressaten an erster Stelle stehen und weniger die betroffenen Bewohnerinnen. Es ist wohl kein Zufall, daß nicht wenige der in dieser Hinsicht gelungensten Kapitel von Personen stammen, die praktische Erfahrung in Bildungsarbeit mitbringen. Detailkritik kann der imposanten Gesamtleistung jedoch keinen Abbruch tun. Wer sich mit Dorfentwicklung und -erneuerung befaßt, wird in Zukunft wohl kaum an der DIFF-Reihe vorbeigehen können.

 

Grundlagen der Dorfentwicklung. Tübingen: Dt. Inst. f. Fernstudien an d. Univ. Tübingen (DIFF), 1988/89.

Studieneinheit 0: Einführung. Dorfentwicklung.

Studieneinheit 1: Grundlagen, 262 S.

Studieneinheit 2: Das Dorf als Lebensraum, 232 S.

Studieneinheit 3A u. 3B: Ökonomie und Ökologie, 143S.

Studieneinheit 4: Gesicht des Dorfes, 264 S.

Studieneinheit 5: Architektur, 228 S.

Studieneinheit 7: Lernprozeß, 184 S.