Bleibt uns noch Zeit, um einen nachhaltigen Systemwandel zu bewirken? Für Ann Pettifor liegt im Green New Deal (GND) die Lösung. Auf den Keynesianismus aufbauend, steht hinter dem Konzept des GND die Idee einer alternativen Wirtschaftsform, die „einen Wandel des wirtschaftlichen und des ökologischen Systems“ bewirken kann (S. 23).

Aber wie kann ein Systemwechsel hin zu einer Steady State Economy aussehen und vor allem, können wir uns diesen leisten? Pettifor bleibt zuversichtlich – wenn auch mit Vorbehalt. Auf 175 Seiten wird die Geschichte der Wirtschafts- und Finanzpolitik seit der Pariser Friedenskonferenz im Jahr 1919 skizziert und auf Fehlentwicklungen und Erfolge hin untersucht. Doch die Ökonomin geht über Systemkritik hin-aus und skizziert neue Denkmuster. Es werden Vorschläge des GND präsentiert, welche entgegen dem weitverbreiteten Mantra der Alternativlosigkeit, sehr wohl als realisierbare Wege in Richtung einer nachhaltigen Zukunft präsentiert  werden. Kurzgefasst, plädiert der GND für eine Abkehr vom Paradigma des vorherrschenden Wirtschaftens. Statt einer zügellosen freien Marktwirtschaft brauche es unter anderem (wieder) mehr staatliche Reglementierungen, um unter anderem  aggressive Offshore-Expansionen einzudämmen. 

Ergänzend zum finanz- und wirtschaftspolitischen Fachwissen liefert das Buch Rüstzeug zur Mitgestaltung eines gesellschaftlichen Wertewandels. Bürgerinnen und Bürgern schreibt Pettifor grundsätzlich mehr Einfluss zu, als ihn viele bisher wahrgenommen haben. So waren es Steuerzahlerinnen und -zahler, die nach 2008 gemeinsam mit Zentralbanken das System vor dem totalen Zusammenbruch bewahrt haben. Darin sieht die Ökonomin auch das Problem, denn öffentlich finanzierte Institutionen sind „dafür ausgerüstet, die Nutznießer des Kapitalismus vor der Disziplinierung durch den ‚freien Markt‘ zu bewahren“ (S. 164). 

Die Autorin erhebt nicht den Anspruch der letztgültigen Wahrheit und thematisiert auch Fragen, die uns nur die Zukunft beantworten kann. Vielleicht erscheint die Idee des GND gerade auch realisierbar, weil deren Protagonistinnen und Protagonisten jenseits von utopischen Forderungen agieren und stattdessen wirtschaftspolitische Lernerfahrungen mit mutigen Ideen verbinden.